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BLOG vom 03.01.2013


Zählmethoden: 2013 – willkürliche Jahreszahl unter vielen
Autor: Richard Gerd Bernardy, Dozent für Deutsch als Fremdsprache, Viersen/Niederrhein D
 
Seit dem 1. Januar dieses Jahres schreiben wir das Jahr 2013 „nach Christi Geburt“, also das 13. Jahr nach der Jahrtausendwende. Wieso 2013? Der genaue Tag von Christi Geburt ist unbekannt, ebenso fehlen historische Beweise, ob es Jesus Christus überhaupt gegeben hat. Die Jahreszählung beruht also auf einer Vermutung. Bis zum Jahr 532 wusste niemand, dass die Menschen zum Beispiel im Jahr 500 gelebt haben. Denn erst seit 532 wurde, und das auch nicht überall, so gezählt. Festgelegt wurde die Zählung durch den Abt Dionysius Exiguus, und zwar schlug er sie zur Osterzeit 525 zum ersten Mal vor. Es ist umstritten, ob es seine ureigenste Idee gewesen ist; es ist möglich, dass er sie von Eusebius Caesarea übernommen hat. Die Zählung beginnt übrigens mit der Zahl 1 und nicht mit Null (das Jahr 2000 gehörte noch nicht zum 3. Jahrtausend).
 
Nach den historischen Daten in den Evangelien gehen Historiker davon aus, dass Jesus, falls er gelebt hat, vermutlich 3 oder 4 Jahre vor dieser Festlegung geboren worden sein könnte. Das kommt aber wieder in Konflikt mit der historischen Tatsache, dass Herodes zu diesem Zeitpunkt vermutlich bereits tot war und die erste römische Volkszählung erst im Jahre 6 oder 7 nach der festgelegten Zählung stattfand. Man kann also die Evangelien nicht wörtlich nehmen, weder historisch noch sonst wie.
 
Fragt der Lehrer einen Schüler: „Wie du weisst, wurde Sokrates 469 vor Christus geboren. Stelle dir vor, du würdest in diese Zeit versetzt und fragst den 20-jährigen Sokrates, welches Jahr wir schreiben, was wird er dir antworten?“ Schüler: „Ganz klar, das Jahr 449 vor Christus!“
 
Eine Jahreszählung ab einem festen Zeitpunkt war im alten Ägypten unbekannt. Dort nahm man bedeutende Ereignisse, später die alle 2 Jahre stattfindende Steuererhebung oder die Regierungsjahre des jeweiligen Pharaos als Ausgangsjahr für eine Zählung. Einige Völker rechneten ab der geglaubten Erschaffung der Welt, bei den Juden ab dem Jahr 3761, die Byzantiner ab dem Jahr 5509. So ist der 1. Januar 2013 nach dem jüdischen Kalender der 19. Tevet 5773; das neue Jahr beginnt am 05.09.2013. Im Islam ist der 1. Januar der 18. Safar 1434, das neue Jahr beginnt am 4. November, allerdings im Iran und in Afghanistan am 20.03. mit dem Jahr 1392. Die Griechen nahmen die Olympiaden ab 776, ab dem Hellenismus das Todesjahr Alexander des Grossen 323 oder der Regierungsantritt des Seleukos 312, die Römer ab dem vermuteten Gründungsjahr Roms von 753 an, alle Jahresdaten berechnet vor Beginn der christlichen Jahreszählung. Die Buddhisten nehmen das Todesjahr Buddhas (483 vor Christus) und die Moslems das Jahr der Übersiedlung Mohammeds von Mekka nach Medina (Hedschra, 622 nach Christus) als erstes Jahr an. In Tibet beginnt das Jahr 2139. Das chinesische neue Jahr beginnt am 10.02.2013 mit dem Tierkreiszeichen der Schlange.
 
Die von den Christen eingeführte Zeitrechnung war zu Beginn von Julius Cäsar übernommen worden, also der sogenannte Julianische Kalender mit einem Schalttag alle 4 Jahre. Heute rechnen wir mit dem Gregorianischen Kalender nach Papst Gregor XIII., bei dem bei allen durch 4 teilbaren Jahren ein Schaltjahr eingeschoben ist. Das julianische Jahr ist gegenüber dem Sonnenjahr um 11 Minuten und 14 Sekunden zu lang. Deshalb gibt es bei vollen Jahrhunderten (z. B. 2000) nur dann ein Schaltjahr, wenn diese durch 400 teilbar sind (1900 z. B. nicht). Im Julianischen Kalender war übrigens der Jahresbeginn je nach Land völlig unterschiedlich.
 
Die siebentägige Woche ist schon sehr alt und wahrscheinlich babylonischen Ursprungs.
 
Wie man sieht, sind alle Zählungen willkürlich. Deshalb ist es Unsinn, ein volles Jahrhundert als etwas Besonderes anzusehen. Bei den Christen hat das allerdings Tradition, sie erwarteten schon im Jahr 1000 den Weltuntergang. Auch die Berechnungen dazu sind völlig unterschiedlich. Es gibt durchaus Stimmen, die den 21.12. nicht durch den Maya-Kalender bestätigt sehen. Es könnte auch der 23.12. sein oder ein ganz anderer.
 
In einer globalisierten Welt ist es sinnvoll, Tages- und Jahresdaten zu vereinheitlichen. Deshalb wird auf der ganzen Welt der Jahresübergang und Neujahr gefeiert. Dass die Daten „christlichen Ursprungs“ sind, ist rein zufällig. Hätte sich eine andere Religion durchgesetzt, hätten wir jetzt eine ganz andere Zählung und wahrscheinlich nicht gerade das neue Jahr „eingeläutet“.
 
Was könnte man als Beginn der Jahreszählung nicht alles genommen haben? Aus den letzten 100 Jahren bietet sich einiges an. Es könnten technische Grosstaten sein, wie z. B. die Erfindung der Dampfmaschine, des Telefons, der Fähigkeit, mittels Technik zu fliegen, die erste Atomspaltung oder der Abwurf der ersten Atombombe. Möglich wäre auch das Ende des 1. oder 2. Weltkriegs oder in Deutschland das Jahr nach der Wiedervereinigung. In manchen Science-fiction-Romanen wird das Jahr Null als das Jahr nach einem globalen Atomkrieg oder nach der Landung von Ausserirdischen angenommen.
 
Jedes Individuum hat seine ganz eigene Jahreszählung, nämlich die der Lebensjahre, beginnend mit der Geburt. Deshalb ist der Geburtstag ein so wichtiger Tag und für die Nachkommen auch der Todestag und das Todesjahr der Vorfahren. Es gibt natürlich noch andere Zählverfahren, etwa die Zahl der gemeinsam durchlebten Ehejahre.
 
Trotz der vielen Zahlen sollten wir nicht vergessen, im Heute und im Jetzt zu leben, ganz egal welcher Tag und welches Jahr! Leben Sie wohl!
 
Quellen
„Bertelsmann: Neues Lexikon in 10 Bänden“, Gütersloh 1996
Verschiedene Seiten von Wikipedia.
 
Hinweis auf ein weiteres Blog über die Zahlen und das Zählen
09.04.2012: Von Lakh, Crore und Rupien: Zahlen und Grössen in Indien
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