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BLOG vom 23.02.2013


Torlinien-Technologie: Intelligentes Tor oder Torkamera
Autor: Heinz Scholz, Wissenschaftspublizist, Schopfheim D
 
Endlich haben sich die alten Herren des Weltfussballverbands, der Fifa (Fédération Internationale de Football), durchgerungen, die Torlinientechnologie einzuführen. Das hat mich überrascht. Georg Gulde von der „Badischen Zeitung“ verkündete, dass die „Altherren-Riege“ ausnahmsweise ein fettes Lob verdient habe. Die neue Technik soll bei der Fussball-WM 2014 in Brasilien eingeführt werden.
 
Mit dieser Technik, die sich in anderen Sportarten bereits bewährt hat, werden Ungerechtigkeiten in der Torentscheidung durch Schiedsrichter, Torrichter und Linienrichter beseitigt. Tobsuchtsanfälle bei Trainern oder Unmutsäusserungen der Zuschauer dürften, wenn alles funktioniert, nicht mehr so oft vorkommen. Wir kennen ja aus der Vergangenheit etliche Fälle, wo Tore gegeben oder nicht gegeben wurden. Hier einige Beispiele:
 
Das legendäre „Wembley-Tor“
Die Aufregung in Deutschland und vielleicht auch anderswo (sicherlich nicht in England) war gross, als Roger Hurst von der englischen Nationalmannschaft im Endspiel gegen Deutschland 1966 den Ball in der 101. Minute (also in der Verlängerung) an die Unterkante der Latte schoss. Der Ball prallte zurück auf die Torlinie und von dort in die Höhe. Der deutsche Abwehrspieler Wolfgang Weber köpfte dann den Ball aus der Gefahrenzone. Es war also kein Tor. Laut Reglement muss der Ball im vollen Umfang die Torlinie überschritten haben. Trotzdem entschied der Schweizer Schiedsrichter Gottfried Dienst nach Rücksprache mit dem russischen Linienrichter Tafiq Behramov auf Tor (3:2 für England). Man kann sich nur wundern, warum der Linienrichter in über 30 m Entfernung zum Geschehen auf Tor entschied. Hatte er „Tomaten auf den Augen“, wie man in der Fussballsprache sagt, oder wollte er den Veranstalter der WM bevorzugen? In der Schlussminute gab es ein weiteres irreguläres Tor, als schon Zuschauer auf dem Fussballplatz strömten. England gewann mit 4:2 die WM 1966. Es war bisher der einzige Titelgewinn für die Engländer.
 
Das legendäre Wembley-Tor kann sich heute jeder auf www.youtube.com ansehen (Suchmaschine Google „Tor in Wembley 1966“ eingeben). Dort sieht sogar jeder Fastblinde, dass der Ball nicht hinter der Torlinie war.
 
5 Schiedsrichter sahen wenig
Bei der Fussball-WM 2010 in Südafrika wurde den Engländern im Spiel gegen Deutschland ein regulär erzieltes Tor nicht anerkannt. Damals war der Ball nach einem Schuss des Engländers Frank Lampard hinter der Torlinie. Deutschland gewann das Achtelfinal-Spiel 4:1. Von nun an war der allmächtige Fifa-Präsident Joseph Blatter bereit, die Einführung der Technik zu forcieren. Michel Platini, Präsident der Europäischen Fussball-Union (Uefa), war nicht so begeistert. Er outete sich als Gegner der neuen Technik. Er meinte 2012 dies: „5 Schiedsrichter sehen alles.“ Da musste ich herzhaft lachen. Die 5 Schiedsrichter sind der Hauptschiedsrichter, 2 Linienrichter und 2 Torrichter. Und die sahen bei den EM- und WM-Spielen, wie geschildert, wirklich nicht alles.
 
Bei der Fussball-EM in Deutschland 2012 gab es haarsträubende Fehlentscheidungen. Diese habe ich in meinem Blog vom 26.06.2012 („Fussball EM 2012: Deutsche Panzer, Torklau, Rudelglotzen“) bereits erwähnt. Hier nur einige Hinweise:
 
Im Spiel Ukraine gegen England (0:1) verweigerte Schiedsrichter Viktor Kassai einen Treffer von Marko Devic. Der Engländer schlug den Ball erst hinter der Torlinie weg. Alle sahen das, nur der Schiedsrichter und der Torrichter nicht. Schon damals forderten viele die Einführung einer Torkamera, da das menschliche Auge zu unzuverlässig für das schnell gewordene Fussballspiel ist. Die Gegner meinten, dass zu viel Technik das Spiel kaputt mache. Zurzeit werden Pro- und Kontra-Meinungen in diversen Tageszeitungen vorgestellt.
 
Ich gehe in meiner Pro-Meinung noch weiter. Bei umstrittenen Entscheidungen sollte der Kamera-Entscheid zugelassen werden. Man müsste allerdings das Spiel kurz unterbrechen, damit der Schiedsrichter die vorhergehende Szene auf einen Bildschirm betrachtet. Im Gespräch waren auch neutrale Beobachter von der Fifa oder Uefa. Nach dem Betrachten der Übertragungsbilder gibt er dann den Entscheid dem Schiedsrichter per Funk bekannt. Vielleicht sollte man, um das Spiel nicht zu oft zu unterbrechen, auf 1 oder 2 Betrachtungen begrenzen.
 
Dazu ein Beispiel einer Ungerechtigkeit: Im EM-Spiel 2012 verweigerte Wolfgang Stark im Spiel Spanien gegen Kroatien (1:0) einen klaren Elfmeter für die Kroaten. Für mich unverständlich war, dass der Torrichter, der 5 m daneben stand, wohl auch einen getrübten Adlerblick hatte. Er hätte den Hauptschiedsrichter unterrichten sollen.
 
Welche Technik wird eingeführt?
Es gibt 2 Verfahren, die von deutschen Anbietern entwickelt wurden. Die Hersteller bewerben sich um die folgenden Techniken, die schon zertifiziert sind:
 
Intelligentes Tor (Goal Ref): Es wurde vom Frauenhofer Institut für integrierte Schaltungen in Erlangen D entwickelt. Es funktioniert ähnlich wie der Diebstahlschutz in Kaufhäusern. Im Torrahmen wird ein Magnetfeld erzeugt. Der Ball enthält 3 Metallspulen. Sobald der Ball mit Chip die Torlinie überquert, bekommt der Schiedsrichter ein Funksignal auf seiner Armbanduhr.
 
Torkamera (Hawk-Eye): Diese Technik wird bereits beim Tennis eingesetzt. Bis zu 6 Kameras nehmen das Spielgeschehen auf, funken Bilder an einen Zentralcomputer. Dieser kombiniert die Bilder und stellt fest, ob der Ball im vollen Umfang hinter der Torlinie war. Der Schiedsrichter erhält ein Vibrationssignal auf seiner Uhr oder ins Ohr.
 
Ich bin für die neue Technik, weil dadurch falsche Entscheidungen bzw. Ungerechtigkeiten vermieden werden können. Die Schiedsrichter, die ja Tatsachenentscheidungen fällen, sind ebenfalls für die Torlinientechnologie.
 
 
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