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BLOG vom 19.05.2013


Sprachvergehen: Gedanken über das Kommen und Gehen
Autor: Richard Gerd Bernardy, Dozent für Deutsch als Fremdsprache, Viersen/Niederrhein D
 
Im Text- und Blogatelier schreiben wir Deutsch. Sie sind der deutschen Sprache mächtig?
 
Ja klar“, werden Sie antworten, „ich benutze diese Sprache in allen Bereichen: Sprechen, Hören, Schreiben und Lesen. Und ich denke darin!“ Wenn Sie die deutsche Sprache als Muttersprache (evtl. auch vom Vater!) gelernt haben, sprechen Sie auch ohne jemals mit Grammatik in Kontakt gekommen zu sein (fast) fehlerfreies Deutsch. Diejenigen unter Ihnen, für die Deutsch eine Sprache ist, die nachträglich gelernt wurde, werden ohne Grammatik nicht ausgekommen sein. Muttersprachler übrigens auch nicht, weil sie in der Schule damit konfrontiert worden sind.
 
Vor Kurzem ist mir aufgefallen, wie vielfältig man die Verben „kommen“ und „gehen“ mit Präfixen verbinden kann. Präfixe sind Vorsilben. In Verbindung mit Verben bereiten sie denjenigen, die Deutsch als Fremdsprache studieren, manchmal Kopfschmerzen. Es gibt nämlich verschiedene Arten, die nicht immer leicht zu unterscheiden sind:
 
1. Präfixverben sind Verben, die mit untrennbaren Elementen verbunden sind, die alleine nicht existieren können: „bekommen“ und „begehen“. Probleme bereiten Verben, bei denen es nicht offensichtlich ist, ob sie getrennt werden dürfen oder nicht:
2. Partikelpräfixverben enthalten Partikel, die sich wie Präfixe verhalten, die sich aber auch nicht vom Verb trennen lassen, jedenfalls nicht bei der bestimmten Bedeutung, z. B.: „Ich werde der Anzeige nachgehen!“ oder: „Ich werde der Verpflichtung nachkommen.“
3. Partikelverben werden aus einer Präposition und einem Verb gebildet und sind syntaktisch trennbar. Beispiel: „Die Uhr geht 10 Minuten nach.“ Aber auch: „Es wird bei mir später, ich komme dann nach!“ Für Nicht-Muttersprachler hören sich die Fehl-Konstruktionen: „Die Uhr nachgeht 10 Minuten.“ oder „Ich nachkomme später.“ logisch an, sind aber falsch.
4. Doppelpartikelverben sind aus mehreren Partikeln und dem Verb gebildet, z.B. „hinzukommen“.
 
Kommen und Gehen“ ist laut Duden ein Begriff aus der „Szenesprache“. Ich habe 2 Szenen mit den beiden Wörtern geschrieben und entweder als Verb oder als substantiviertes Verb verwendet, (fast) jedes Mal mit Präfix und/oder Partikel.
 
2 seltsam kommensurable Geschichten vom „Kommen und Gehen“:
 
Die Ankömmlinge
Seit dem Bekommen des Abkommens gab es ein Kommen, aber kein Gehen. Keiner dachte an Abgang. Das Aufkommen der Fremden war so hoch, dass die Einheimischen zahlenmässig fast darin aufgingen.
 
Alle Angekommenen und ihre Nachkommen konnten es ruhig angehen lassen und einer Beschäftigung nachgehen. Damit erzielten sie ein Einkommen, mit dem sie auskamen.
 
Mit dem, was sie bekamen, genossen sie das Ausgehen. Sie konnten ihre Feste begehen.
 
Sie erreichten sogar ein Fortkommen; Fortgehen kam nicht mehr in Betracht.
 
Manchmal gab es Vorkommen, die sie nicht durchgehen lassen konnten.
 
Es kamen Vergehen vor, was waren einzelne Täter doch verkommen!
 
Einige der Opfer kamen mit dem Schrecken davon, sie waren Schlimmerem entgangen.
 
Aber für andere hatte es kein Entkommen gegeben, sie mussten alles über sich ergehen lassen.
 
Die Einheimischen, die das mitbekamen, liessen ihnen Hilfe zukommen. Sie gingen nicht einfach zur Tagesordnung über. Die Täter kamen nicht davon. Sie waren vom Weg abgekommen und hatten schlechten Einflüssen nachgegeben. Das Vorgehen der Polizei liess die Täter nicht entkommen. Es würde eine hohe Strafe auf sie zukommen.
 
Die Hinzugekommenen bedankten sich bei den Einheimischen für das Entgegenkommen. Es ging ihnen auf, erst jetzt waren sie im fremden Land richtig angekommen. Es wurde ein gemeinsames Fest begangen, jeder sorgte für das Wohlergehen des anderen. Alle kamen und alle gingen erst spät. Man war willkommen!
 
Manchmal überkommt es einen
Die Ankunft. Endlich ankommen! Morgens die Sonne aufgehen sehen! Ein noch ofenwarmes Brötchen bekommen. Sich den Genuss einer Tasse Kaffee nicht entgehen lassen. Vorangehen, die anderen können nachkommen. Alles auf sich zukommen, sich nichts entgehen lassen. Mit dem versprochenen Einkommen kann man auskommen. Sogar ausgehen lässt sich damit und hingehen, wo es einem gefällt und alles umgehen, was nicht genehm ist. Abkömmlich sein, allem Ärger entgehen, der vorkommen kann.
 
Entkommen! Eine Dummheit begangen. Nur wenig abbekommen! Davongekommen! Ich wollte es mir nicht entgehen lassen. Aber was ist mir dabei überkommen! So etwas darf nicht vorkommen! Ich hätte dabei untergehen können. Ich hätte dem Hinweis nicht nachgehen sollen. Jetzt muss ich für den Schaden aufkommen.
 
Fortgehen! Davongehen, dem Abkommen entgehen. Ich werde schon durchkommen. Ich erwarte kein Entgegenkommen. Ich werde schon irgendwo unterkommen. Die Sonne geht unter, ich doch nicht!
 
Zitate mit „Kommen“ und „Gehen
 
„Wo kämen wir hin, wenn jeder sagte, wo kämen wir hin und keiner ginge, um zu sehen, wohin wir kämen, wenn wir gingen?“
Kurt Marti
 
„Die nur ganz langsam gehen, aber immer den rechten Weg verfolgen, können viel weiter kommen als die, welche laufen und auf Abwege geraten.“
René Descartes
 
„Freunde kommen und gehen, aber Feinde halten fürs Leben.“
Graf Fito
 
„Auch gute Freunde werden irgendwann ihre eigenen getrennten Wege gehen. Aber deshalb muss man sich nicht herzlos vorkommen oder einsam. Denn irgendwas bleibt immer bestehen.“
Aus „Fruits Basket“ von Natsuki Takaya
 
Man muss die Dinge nehmen, wie sie kommen. Und wenn sie nicht kommen, muss man ihnen entgegen gehen.“
Aus Finnland
 
Nicht wahr, das Leben ist ein Kommen und Gehen!
 

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