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BLOG vom 06.09.2013


Literaturkundige vor! Wer war’s? Erraten Sie den Autor!
Autor: Richard Gerd Bernardy, Dozent für Deutsch als Fremdsprache, Viersen/Niederrhein D
 
Wem würden Sie die folgenden Zitate zuordnen?
 
1. Da das Gleichgewicht zwischen den zentripetalen und zentrifugalen Kräften innerhalb jeglichen Systems zwangsweise gestört wird, sobald es eine gewisse zu grosse Nähe an den Kern des Haufens zu dem es gehört, erreicht hat, muss dann und dann sofort, ein chaotisches bzw. scheinbar-chaotisches Abstürzen der Monde auf ihre Planeten einsetzen; der Planeten auf die Sonnen; der Sonnen in die Kerne; und das allgemeine Ergebnis dieser Massenstürze, muss die Einsammlung all der zur Zeit existierenden Myriaden Sterne am Firmament zu einer schier unendlich geringeren Anzahl schier unendlich überlegender Sphärifikationen sein. Unaussprechlich weniger werden der Welten jenes Tages sein ...
 
2. Wir wissen heute, dass das richtige Verfahren darin besteht, zunächst eine endliche Region von Sternen zu betrachten und dann immer weitere Sterne hinzuzufügen, die ausserhalb dieser Region etwa gleichförmig verteilt sind. Eine endliche Anzahl von Sternen wird in sich zusammenstürzen ... Wenn man vom gegenwärtigen Zeitpunkt der Galaxien ausgeht und ihn in der Zeit rückwärts laufen lässt, scheint es, als hätten sich die Galaxien zu einem bestimmten Zeitpunkt, vor 10 bis 20 Milliarden Jahren, alle übereinander getürmt ...
 
Es ist leicht feststellbar, dass der 1. Text älter sein muss als der 2. Text. Text 1 wurde 1848 geschrieben, Text 2 im Jahre 1993!
 
Der untere Text ist von Stephen W. Hawking und stammt aus dem Buch Einsteins Traum – Expeditionen an die Grenzen der Raumzeit.
 
Und der obere Text? Ich lasse Sie noch etwas im Ungewissen.
 
Vor etwa 2 Jahren erstand ich auf dem Flohmarkt eine 10-bändige Ausgabe, geschrieben von einem Schriftsteller, 1809 in Boston USA geboren, gestorben am 07. Oktober 1849. Dazwischen liegt ein schier unglaubliche Produktion von Geschichten, Poems, Abhandlungen und Briefen.
 
Lange lagen die jeweils rund 500 Seiten dicken Bücher in meinem Regal, bis ich entdeckte, welchen Schatz ich für wenig Geld erstanden hatte.
 
Noch ein Text dieses Schriftstellers, den der Wissenschaftspublizist Ernst Peter Fischer in seinem Buch Die andere Bildung – Was man von den Naturwissenschaften wissen sollte aufgenommen hat und ihn und seine Gedankengänge damit würdigt:
 
Gäbe es eine endlose Folge von Sternen, dann würde uns der Hintergrund des Himmels eine gleichförmige Helligkeit präsentieren, so wie sie die Milchstrasse zeigt – dann gäbe es in dem ganzen Hintergrund absolut keinen Punkt, an dem kein Stern existieren würde. Das einzige Schema, mit dem wir unter diesen Umständen die Leere verstehen können, die unsere Teleskope in unzählige Richtungen finden, müsste annehmen, dass die Entfernung des unsichtbaren Hintergrunds derart riesig ist, dass noch kein Lichtstrahl von da in der Lage gewesen ist, uns zu erreichen.“
 
Zu diesem Zitat schreibt E. P. Fischer:
 
(Der Autor) spricht die modernen Themen der Geschwindigkeit des Lichts und des Alters der Sterne an, und er bringt weitere originell und aktuell wirkende Ideen in die Debatte um den Kosmos. Er antizipiert zum Beispiel den heute nachweisbaren hierarchischen Aufbau des Universums als „cluster of clusters“ und vermutet sogar, was im 20. Jahrhundert bei Einstein zu dem massgeblichen Gedanken seiner Kosmologie wird, nämlich die Idee, „pace an duration are one“. Anders ausgedrückt, Raum und Zeit bilden eine Einheit.
 
Das klingt sehr modern! Die beiden Texte des Autors aus dem 19. Jahrhundert stammen aus: Heureka – Ein Essay über das Materielle und spirituelle Universum.
 
In diesem Essay beruft er sich auf Kant, Hume, Kopernikus, Kepler, Newton, erwähnt Aristoteles, Euklid, Kant, bezieht sich auf heute weniger bekannte Wissenschaftler wie Laplace, Lagrange, Dr. Nichol, Struve; schreibt über Atome, Teilchen, Gravitation. Er ist kein Naturwissenschaftler, sondern ein Dichter!
 
Na, erraten? Wahrscheinlich nicht! Seine Werke werden eingeteilt in:
 
Erste Erzählungen; Grotesken; Arabesken; Detektivgeschichten; Phantastische Fahrten; Faszination des Grauens; Kosmos und Eschatologie; Briefe, Gedichte, Essays und Marginalien.
 
Arno Schmidt und Hans Wollschläger haben einen Grossteil seiner Werke ins Deutsche übersetzt.
 
Ich spanne Sie nicht weiter auf die Folter! Wenn ich Ihnen das bekannteste Werk von ihm nenne, das Sie als Literaturliebhaber sicher gelesen und möglicherweise auch als  eine Verfilmung gesehen haben, geht es Ihnen wahrscheinlich ebenso wie Archimedes und Sie rufen ‚Heureka’, griech. ‚ich (habe) gefunden’!
 
Ich zähle in der Beschreibung bei Wikipedia zu dieser Erzählung 11 Verfilmungen, 8 Komponisten haben sie als Grundlage für Tondichtungen verwendet, und es gibt 4 Hörspiele von dem Stück, das 1840 nach Überarbeitung in der Sammlung Tales of the Grotesque and Arabesque erschienen ist.
 
Es ist The Fall of the House of Asher, deutsch: Der Untergang des Hauses Asher.
 
Richtig, Edgar Allen Poe!
 
Wie aktuell er sein kann, möchte ich Ihnen an einem Zitat beweisen, das er in seinen Marginalien unter dem Titel Fünfzig Einfälle um etwa 1840 geschrieben hat, und das rein gar nichts mit den oben angeführten wissenschaftlichen Überlegungen zu tun hat:
 
Lukian, bei seiner Beschreibung einer Statue‚ „deren Äusseres von parischem Marmor ein Inneres von Lumpen-Werk verdeckt“ habe, muss mit prophetischem Blick schon etliche unserer grossen Finanzinstitute vorausgesehen haben.
 
Ich hoffe, ich habe Sie davon überzeugt, sich des grossen Dichters anzunehmen oder zumindest die Lektüre seiner Werke aufzufrischen. Viel Vergnügen!
 
Quellen
Poe, E.A.: „Das gesamte Werk in 10 Bänden“, hrsg. von Kuno Schumann und Hans Dieter Müller, Deutsch von Arno Schmidt und Hans Wollschläger, Manfred Pawlak, Verlagsgesellschaft mbH., Herrsching 1980 (Rechte dieser Ausgabe bei Walter-Verlag AG Olten, 1966).
Hawking, Stephen W.: „Einsteins Traum – Expeditionen an die Grenzen der Raumzeit“, rororo, Hamburg 1966.
Fischer, Ernst Peter: „Die andere Bildung – Was man von den Naturwissenschaften wissen sollte“, Verlage Ullstein, Heyne, List, 2003. 
 
Hinweis auf ein weiteres Blog über Schriftsteller-Rätsel
20.11.2012: Das Erfolgserlebnis: Ich schreibe wie ein Schriftsteller!
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