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BLOG vom 03.10.2013


Kindergeschichte: Storchenschnabel und Hirtentäschel
Autor: Emil Baschnonga, Aphosristiker und Schriftsteller, London
 
In einem verwilderten Blumenbeet gediehen 2 kleine und schmuck blühende Kräutlein, die zunehmend vom breitblätterigen Wegerich eingeengt wurden. Die hoch aufgeschossenen Schottischen Disteln hatten ausgeblüht und liessen ihre Fallschirmsamen wie Schneeflocken über diese beiden Kräutlein fallen.
 
„Ich werde diese Krise überleben“, wandte sich der Storchenschnabel ans Hirtentäschel, „denn ich bin mit den Störchen verwandt, die den Menschen ihre Kinder bringen.“
 
„Bist du grössenwahnsinnig geworden?“ höhnte das Hirtentäschel, „der Klapperstorch anerkennt dich nicht als Verwandter – dazu bist du viel zu klein. Ich hingegen trage viele Taschen“, prahlte das Hirtentäschel, „denn ohne meinen Taschen würden die Hirten verhungern, und die Menschen hätten keine Wolle mehr …“
 
„In deiner Tasche hat nicht einmal eine Haferflocke Platz, und du fütterst keine einzige Ameise,“ entgegnete der Storchenschnabel. Die Blätter des Wegerichs breiteten sich aus und begruben den Streit der beiden Kräutlein.
 
Eines Tages kam der Gärtner mit dem Spaten. „Weg damit!“ brummte er und warf sie alle mit ihren Wurzeln auf einen Haufen Gras, das er zuvor gemäht hatte. Auch die Disteln endeten auf diesem Haufen.
 
Der Winter kam: Die Äste der Bäume waren kahl. Nur das Immergrün und die Tannen trotzten Frost und Schnee. Der Streit zwischen Storchenschnabel und Hirtentäschel war längst begraben. Die Natur hatte ihren wohlverdienten Frieden.
 
Mit dieser Geschichte waren die Kinder nicht zufrieden. So musste der Erzähler ein gutes Ende wie im Märchen finden:
 
Letztes Jahr platzten die ausgetrockneten Storchenschnäbel und schleuderten ihre Samen weit von ihrem einstigen dicht gedrängten Standplatz, lange bevor der Gärtner mit dem Spaten kam. Der Herbstregen hatte viele Samenschötchen des Hirtentäschels in die Ritzen der Beeteinfassung gespült – genau an den Ort, wo sie am besten gedeihen konnten. Beide Kräutchen hatten mehr Platz gewonnen, keimten, wuchsen und blühten wie alle Jahre. Die grossen Leute sind zu gross, um diese unscheinbaren Blütchen zu bemerken; nur Kinder bewundern sie. Und das ist Recht so, denn im Kleinen findet sich viel Freude.
 
Hinweis auf weiter Blogs über Kinder, Geschichten und Kinderbücher
10.02.2007: Eine Augenweide: Kinderbücher aus der guten alten Zeit
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