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BLOG vom 22.10.2013


Nachruf auf Alt-Bundesrat Rudolf Friedrich (1923–2013)
Autor: Pirmin Meier, Schriftsteller und Historiker, Beromünster LU
 
Rudolf Friedrich, ein hochgebildeter Vollblutparlamentarier, stieg als FDP-Politiker nach seinem Einsitz ins Winterthurer Stadtparlament, in den Zürcher Kantonsrat und in den Nationalrat zum Bundesrat (1982) auf. Die Wahl des damals bestgehassten Kalten Kriegers war hochumstritten. Der Rücktritt bereits im August 1984 erfolgte zum Teil aus privaten Gründen, welche mit den vor 30 Jahren noch aktuellen gesellschaftlichen Bedingungen zusammenhängen. Ähnlich wie Kurzzeit-Bundesrat Alphons Egli, der mit dem ausbleibenden Waldsterben nicht zurechtkam, erkannte Friedrich, ein sauberer und gradliniger Charakter, dass er sich in seiner Karriere verschätzt hatte.
 
Persönlich habe ich Rudolf Friedrich als Sicherheitspolitiker kennengelernt, in welcher Eigenschaft er zur Zeit des Kalten Krieges das vom ehemaligen Heer- und Haus-Chef Robert Vögeli geleitete Institut für Politologische Zeitfragen förderte. Ähnlich wie bei Ost-Institutsgründer Peter Sager war das Sicherheitsdenken Friedrichs international orientiert, also mit Blick auf den Uno-Beitritt, den er schon in der Kampagne von 1987 leidenschaftlich befürwortete. EWR-Beitritt, EU-Beitritt sowie Zusammenarbeit mit der Nato waren für ihn Zielsetzungen, die er für Sicherheit und Wohlstand der Schweiz unabdingbar einschätzte. Die entsprechenden Beitritte hielt er für unvermeidlich. Oder wie es Karl Popper kritisch formulierte: „Hilf das herbeiführen, was ohnehin kommt.“
 
Diese Konstellation machte den Winterthurer Grossbürger, der auf seine Bundesratspension verzichtete, zu einem konsequenten Christoph-Blocher-Kritiker. Selber hatte der Stiftungspräsident der Pro Juventute jedoch Mühe, vergangenes Unrecht betr. die „Kinder der Landstrasse“ beim Namen zu nennen. „Eine Stiftung hat kein Bewusstsein“, lautet ein von ihm formuliertes geflügeltes Wort. Weniger als Bundesrat, wo die Reform des Eherechts von seiner Nachfolgerin vollendet wurde, eher als brillanter und eindrucksvoller Leserbriefschreiber bleibt Rudolf Friedrich als wohl Letzter unter Gottfried Kellers Aufrechten in bleibender Erinnerung.
 
Hinweis
Dr. phil. Pirmin Meier ist Gymnasiallehrer und Schriftsteller, Beromünster LU/Schweiz.
 
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