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BLOG vom 01.07.2014


Wahrheitssuche rund um den Verlust an Wahrheit und Ethik
Autor: Walter Hess, Publizist (Textatelier.com), Biberstein AG/CH
 
Den Begriff Wahrheit lassen wir besser beiseite. Er ist zu gummig. Was ist das Wahre, die Wirklichkeit? Je nachdem, verändert sich der Gehalt dieses viel versprechenden und wenig haltenden Worts. Sprechen wir gescheiter von Aufrichtigkeit, von einer aufrechten Haltung.
 
Wahrlich: Mit alledem ist es heute nicht mehr so weit her. Oft genug wird in alltäglichen Streitfällen schlicht und ergreifend derjenigen Person Recht gegeben, die einem sympathischer als die andere ist, auch wenn man Indizien dafür hat, dass eigentlich das zutrifft, was aus der falschen Ecke kommt. So halten etwa Geschwister, Freunde und nahe Bekannte gegen Fremdeinwirkungen durch dick und dünn zusammen, präsentieren sich als ein Herz und eine Seele, Tatbestand hin oder her. Eine verlogene Haltung. Die Falschheit kommt auch darin zum Ausdruck, wenn jemand gelobt wird, der kein Lob verdient hat, bloss um dieser Person zu gefallen, oder wenn eigene Leistungen oder selbst erschaffene Güter heruntergemacht werden, um die unterwürfige Gefallsucht zu befriedigen. Ausdruck einer anrüchigen Charakterschwäche.
 
Besonders spürbar ist das anpasserische Verhalten innerhalb des politischen Geschehens. Parteiführer und -mitglieder tun und verdrehen alles, um der Parteiräson Genüge zu tun, auch gegen die eigene Überzeugung; man möchte nicht im Abseits stehen, die parteiinterne Karriere nicht gefährden. Der Sachverstand und der Verstand überhaupt haben das Nachsehen, der Verstand ist ausgeschaltet; wäre er in Betrieb, könnte er so etwas nur schwer ertragen.
 
In der Weltpolitik und in jenen Medien, die sich ins politische Geschehen einbetten liessen, denkt, kommentiert und handelt man aus der Position heraus, in die man sozusagen hinein geboren wurde, als deren Bestandteil man sich fühlt. Wer zufällig in der westlichen Welt aufwuchs, redet, schreibt und benimmt sich nach deren Kanon. Wer einer christlichen Sippschaft entstammt und innerhalb von dieser aufwuchs, hinterfragt das Christentum nicht. Moslems werden gezwungen, Moslems zu bleiben, und ein Hindu bewegt sich innerhalb dieser weitgefassten Religion. Usf.
 
Unter dem Westen versteht man die westeuropäische Kultur, die sich auch auf Nordamerika ausgebreitet hat und von dort als beherrschender Faktor nicht nur auf das Ursprungsgebiet zurückschlägt, sondern, einem nie erlahmenden, gnadenlosen Missionsdrang folgend, die ganze Erde erobern, beherrschen und plündern möchte. Die historische Prägung des Westens ist das Juden- und das daraus entwachsene Christentum mit dem grausamen Buch namens Bibel. Darin werden etwa die Lust am Morden, Töten (der Vater lässt seinen eigenen Sohn umbringen und vernichtet gar fast die gesamte, von ihm geschaffene, missratene menschliche Brut = Sintflut), ferner das Erpressungsmittel der Foltern, das von den Amerikanern wieder salonfähig gemacht wurde, und die Grossfolterkammer Hölle als Instrumente der Angstmacherei zelebriert. Wer nicht pariert, dem werden ewige Höllenqualen angedroht. Eine derartige geistige Grundlage muss neue Gewalt erzeugen. Das oft beschworene Gleichheitsgebot greift in der Praxis selten, höchstens auf dem Totenbett. Die führenden Amerikaner, die zusammen mit den Juden alter Schule an ihre Auserwähltheitsansprüche glauben, bezeichnen und benehmen sich als die sonderbevollmächtigten Weltherren, drängen der ganzen Welt ihre egoistischen Gesetze auf.
 
In dieses Konzept gehören auch die Vatikanherren auf der Seite der Tonangeber. Die Kombination von weltlicher und göttlicher Kraft, Stärke und Gewalt potenziert die Effizienz. Der vormalige Papst Benedikt XVI. in der Enzyklika „Caritas in Veritate“ (Liebe der Wahrheit) vom 07.07.2009, hielt in seinem 3. Rundschreiben an die Untertanen fest: „Um die Weltwirtschaft zu steuern, die von der Krise betroffenen Wirtschaften zu sanieren, einer Verschlimmerung der Krise und sich daraus ergebenden Ungleichgewichten vorzubeugen (...), ist das Vorhandensein einer echten politischen Weltautorität (...) dringend nötig. Darüber hinaus muss diese Autorität von allen anerkannt sein, über wirksame Macht zu verfügen, um für jeden Sicherheit, Wahrung der Gerechtigkeit und Achtung der Rechte zu gewährleisten.“
 
Wenn man um die Folgen der Weltautorität, die sich die USA selber zugeschanzt haben, weiss, erkennt man, was von einer Globalisierung unter ihrer Führung zu halten ist. Es ist ein Kaputtregieren. Die im Vatikan versammelten Gerechtigkeitshüter drücken alle Augen zu. Sie propagieren das Christentum als „humanisme intégral“, als ganzheitlicher Humanismus. Die Wahrheit zu verteidigen, sei eine wesentliche Form der Liebe, heisst es noch; siehe dazu im Internet (Wikipedia): http://de.wikipedia.org/wiki/Caritas_in_veritate).
 
In der erwähnten, bezeichnenden Enzyklika geht es um eine religiös abgesegnete, politische Weltautorität, ein vielleicht letzter Versuch zur Stabilisierung der kirchlichen Macht. In der Praxis verlieren die Religionen ihren Einfluss sukzessive. Umso mehr drängen die maroden, auch geistig verarmenden USA an die Schalthebel, von denen aus alles gesteuert wird. Das müsste jedermann auffallen, selbst wenn er sich kaum um das weltpolitische Geschehen kümmert und von den einseitigen Medien, die das Religionsbrimborium nur noch marginal unter „Glanz & Gloria“ abwandeln, extrem proamerikanisch informiert wird, falls er sich überhaupt dafür interessiert. Aus dieser Sicht ist der Westen gut.
 
Die Guten dürfen alles, besonders die Programmgestalter unter diesen. Sie entgehen jedwelcher Strafe, im Gegensatz zu den Bösen, die sogar noch dann kriminalisiert werden, wenn sie bedrängt wurden und sich bloss für ihre Interessen wehren, wenn sie ihre Länder und Völker verteidigen. Wenn der Westen unter US-Führung und mit Kriegsbeihilfe vonseiten der EU, die sich in Vasallentreue ergeht, und insbesondere des wieder kriegsbereiten Deutschlands Länder durch Aufstachelungen und Aufrüstungen destabilisiert, um Machthaber zu beseitigen, die nicht auf der Linie des Okzidents operieren, gilt das als gute Tat, auch wenn dadurch Flüchtlingsströme und Elend aus den Bombardierungen herauswachsen. Die nackte Gewalt hat die Sittlichkeit überholt, in den Schatten gestellt, ist akzeptiert, wenn sie den Guten dient.
 
Über allem steht das Verlangen nach mehr Besitz, auch wenn schon Laotse wusste, dass jener, der sein Herz an Überflüssiges hängt, das Notwendige verliert. Die Verarmung der plündernden Kriegsnationen, die selbstsüchtige Zwecke verfolgen, bestätigen das, wobei der Kampf ums Erdöl und -gas bisher im Vordergrund stand.
 
Wo Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit ausser Kurs geraten sind, wo die Wahrheit nicht einmal mehr als dehnbarer Begriff Bestand hat, ist eine friedliche Welt, ein friedliches Zusammensein, in einem Teil der persönlich überblickbaren Umgebung (ausdrücklich ohne Einbezug meiner harmonischen Familie) und vor allem auch darüber hinaus, wo die Weltpolitik ihr Tummelfeld hat, undenkbar.
 
Dass sich die Lernbereitschaft in ethischen Aspekten bei vielen Entscheidungsträgern und bei den schweigenden Mitläufern irgendwo im Nirwana verflüchtigt hat, ist eine der wenigen Wahrheiten, an denen es nichts zu rütteln gibt.
 
 
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