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BLOG vom 12.07.2014


Kinderspiel: Der Ballon und der Drachen im Höhenflug

Autor: Emil Baschnonga, Aphoristiker und Schriftsteller, London

Kinder brauchen Sommerferien mit Kurzweil. Die 5-jährige Pia und ihr 2 Jahre älterer Bruder Megan verbrachten mit den Eltern ihre Ferien in Lantsch GR (Lenz), unterhalb der Lenzerheide in der Schweiz. 3 Tage lang regnete es andauernd, was in den Bergen vorkommen kann. Die Kinder langweilten sich und begannen missmutig, miteinander zu zanken. „Ich will einen Ballon haben, einen roten”, bat Pia ihren Vater. „Und ich will einen Drachen haben”, forderte Megan. 

Der gute Vater fuhr im Postauto auf die Lenzerheide und fand im Souvenirgeschäft den roten Ballon für Pia, doch keinen Drachen für Megan. Hatte er nicht als Kind einen Drachen gebaut? Das ging ihm durch Sinn. In der Sägerei kaufte er einige Holzstäbe und in der Papeterie anderes zum Drachenbau benötigtes Zubehör – Packpapier, eine Schnurrolle, Papierleim, Messband und erst noch eine Haspel und bunte Schlaufen für den Drachenschwanz.
 
„Nur ein Ballon!” schmollte Pia. „Was soll ich mit diesem Zeug anfangen?” wollte Megan wissen. „Ich werde dir zeigen, wie man einen tollen Drachen baut”, versicherte der Vater, „der hoch aufsteigen wird.”
 
„Aber nicht so hoch wie mein Ballon”, wandte Pia ein.
 
Am Abend war der Drache fix und fertig. Der Leim würde über Nacht trocknen. Die Wettervorhersage war diesmal ideal: kein Regen, doch kräftiger Wind.
 
Guten Muts fuhr die ganze Familie zur Lenzerheide „zur Generalprobe”, wie der Vater vorsichtshalber ermahnte. Leider trieb der Wind den Ballon in die Schräglage statt in die Höhe. Zuerst stieg der Drache hoch, doch der Schwanz war zu kurz bemessen, und er purzelte, in einer Spirale kreisend, tief auf die Heide. Diesmal lag es an der Mutter, die enttäuschten Kinder in der nahen Konditorei zu trösten. Der Ballon und der Drache fühlten sich als Spielverderber schuldig und beratschlagten, was sie tun könnten, um die Schmach zu tilgen.
*
 
Hier erreicht dieses Geschichtlein seinen Höhepunkt – und zwar so:
 
Der Drache, mit verlängertem Schwanz, war einsatzbereit. Doch Pias Ballon war inzwischen geschrumpft. Ihr Vater liess sich erweichen und schenkte ihr 5 Ballone, rote, blaue und gelbe, die er miteinander verknüpfte. Pia jubelte. Am Ende des Bindfadens hatte sie ein kleines Püppchen geknüpft. „Das bin ich und komme in den Himmel”, sagte sie fest überzeugt. „Du willst uns doch nicht wegfliegen”, sagte die Mutter. „Doch, doch, aber ich werde dir zuwinken.”
 
Der gestrige Wind war einem sanften Lüftchen gewichen. Megan sprang, und der Drache stieg hoch – und armschwenkend pumpte er den Drachen noch höher. Leider war die Schnur nicht in der Haspsel abgesichert und der Drache entflog ihm unverhofft. Pia ihrerseits lies ihren Faden fahren. Und was geschah? Das hochtreibende Ballongespann bot dem abstürzenden Drachen eine weiche Landung. Der Bindfaden und die Schnur verwickelten sich ineinander, genau so, wie es die Kabel tun … Das verkoppelte Gefährt verschwand auf Nimmerwiedersehen im rasanten Höhenflug himmelwärts. Pia und Megan waren überglücklich. Beide hatten gewonnen!
 
 
Hinweis auf weitere Blogs über Kinderspiele
04.07.2009: Kurzpoetische Dreizeiler: Die Sitzbank im Garten ist frei
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