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BLOG vom 01.08.2014


Rätsel 1: Gesucht wird ein Heiler, Dichter und Gelehrter
Autor: Heinz Scholz, Wissenschaftspublizist, Schopfheim D
 
„Der Optimist ist ein Mann, der Kreuzworträtsel sofort mit dem Kugelschreiber ausfüllt.“
Karl Farkas
*
„Für den Mann ist jede Frau ein Rätsel, dessen Lösung er bei der nächsten sucht.“
Jeanne Moreau
*
„Jede Zeit ist eine Sphinx, die sich in den Abgrund stürzt, sobald man ihr Rätsel gelöst hat.“
Heinrich Heine
*
„Jede Frau ist die Rätselecke in Gottes grosser Weltzeitung.“
Marcel Achard
*
 
Hier möchte ich die Vielseitigkeit des Textateliers.com unter Beweis stellen – einmal mehr. Diesmal sind keine Kreuzworträtsel oder die Lösung des Frauenrätsels gefragt, sondern ganz andere Rätsel. Die Idee kam mir, als ich wieder einmal in meinem Archiv stöberte und einige Rätsel fand, die ich 1984 in der Zeitschrift „Naturheilpraxis“ publiziert hatte. Damals waren Rätsel rund um bekannte Personen und Heilpflanzen gefragt.
 
Einige davon möchte ich in loser Folge vorstellen. Die Texte wurden aktualisiert und erweitert.
 
Ein „Schielender“ als Gelehrter
Gesucht wird ein Benediktiner, Dichter, Botaniker, Diplomat und Abt des 9. Jahrhunderts, der in jungen Jahren den Beinamen „der Schielende“ hatte. Er verfasste bedeutende theologische Schriften und religiöse Dichtungen und ein berühmtes Buch über den Kräutergarten.
 
808/809 (das genaue Jahr unbekannt) wurde er am Bodensee geboren und trat mit 10 oder 12 Jahren in die Klosterschule der Insel Reichenau ein, wo er eine strenge Erziehung erhielt. Später ging er zum Studium ins Kloster Fulda, wo er ein Schüler des Theologen Rabanus Maurus wurde. Danach wirkte er als Prinzen-Erzieher am Hofe Kaiser Ludwig des Frommen in Aachen. Auf Empfehlung des Kaisers wurde er 838 Abt des Klosters Reichenau. Nach dem Tod Ludwig des Frommen entbrannten politische Kämpfe zwischen seinen Söhnen, und zwischenzeitlich musste der hier Gesuchte nach Speyer in die Verbannung. Erst 842 kehrte er wieder zur Insel Reichenau zurück. Aus dem Politiker und Höfling wurde ein Gelehrter. Die Abtei Reichenau wurde ein Zentrum der Wissenschaft, der Künste und des Handwerks.
 
„Mutter der Kräuter“
In jener Zeit (840) entstand sein Gartenbuch „Liber de cultura hortorum“ (Buch über die Kulturen der Gärten), das der spätere Entdecker und Herausgeber Joachim von Watt (Vadian) „Hortulus“ nannte. Er gab das Werk 1510 in Wien heraus.
 
Dieses Buch gilt in der pharmazeutischen Literatur als das erste Dokument aus altdeutscher Zeit. Zum ersten Mal befasste sich ein Dichter und Arzt mit der Pflege und Anwendung von Heilkräutern. Er beschrieb die mühevolle Arbeit des Gärtners, den Kampf gegen Unkraut und Dürre. Dann folgen 24 Pflanzenbeschreibungen in Versform, beginnend mit der „Mutter der Kräuter“, der Salbei.
 
Von der Raute wusste er Folgendes zu berichten: „… sie reinigt den Körper von Säften, die ihn verderblich befallen.“
 
Der Eberreis „hat so viele Kräfte wie haarfeine Blätter.“
 
2 poetisch schöne Gedichte sind dem Gartenkürbis und der Melone gewidmet.
 
Das Werk ist mit humorvoll-anschaulichen Darstellungen durchsetzt. So schrieb er zum Beispiel über den Andorn: „Sollten dir Stiefmütter je feindlich bereitete Gifte mischen in das Getränk oder trügenden Speisen verderblichen Eisenhut mengen, so scheucht ein Trank des heilkräftigen Andorn, unverzüglich genommen, die drohende Lebensgefahr.“ Öffentliche Tox-Zentren gab es noch nicht.
 
Er lobte auch die Sellerie und empfahl, den zerriebenen Samen bei Blasenleiden und die jungen Triebe gegen Verdauungsbeschwerden. Der Saft mit Wasser und Essig vermischt, beseitigt würgenden Brechreiz.
 
Die Rettichwurzel heilt „den Eingeweide erschütternden Husten“, und der Same ist hilfreich gegen die Pest.
 
Jähes Ende
7 Jahre wirkte der hier Gesuchte als Abt, dann fand sein Leben ein jähes Ende. Er ertrank bei der Überfahrt über die Loire am 18.08.849. Er sollte im Auftrage seines Landesherrn bei seinem früheren Zögling Karl, der inzwischen Westfrankenkönig wurde, Verhandlungen führen.
 
Haben Sie den bedeutendsten Dichter der karolingischen Renaissance erkannt?
 
 
Auflösung
 Der Gelehrte war Walahfrid Strabo (Walahfrid von der Reichenau, auch Walahfried), genannt Strabo (= lat. schielen).
 
Auf der Reichenau ist das Gartenprojekt „Hortulus“ – eine Neugestaltung des Klostergartens – zu sehen. Diesen Garten besichtigten wir vor etlichen Jahren anlässlich eines Urlaubs. Die Reichenau ist 2000 von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt worden.
 
 
 
Hinweis auf ein weiteres Blog über die Insel Reichenau
 
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