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BLOG vom 20.03.2005


Die jungen Strausse beim Spielzeugmuseum

Autorin: Lislott Pfaff

Gestern, am 19. März 2005 und 8 Tage vor Ostern, dem Fest der Freude, habe ich etwas sehr Unerfreuliches erlebt. Für meinen Osterbaum besorgte ich mir im „Erzgebirgischen Spielzeugmuseum“ in Liestal 2 der wunderhübsch handbemalten Ostereier, die meist aus den ehemaligen Ostblockländern stammen. Als ich mich dem Museum näherte, fiel mir neben dem Haus ein etwa 300 m2 grosses Gehege auf, in dem 4 junge Straussenvögel herumspazierten. Ich war einigermassen erstaunt über diese exotische Erscheinung neben dem biederen Spielzeughaus. Waren die Riesenvögel etwa eine Anspielung auf Riesen-Ostereier, die man besonders schön bemalen könnte?

Die Initiantin, die das Museum seit 10 Jahren zusammen mit ihrem Mann führt, erzählte mir auf meine Frage hin, dass die Strausse – wenn auch nur vorübergehend – von einer grösseren Farm im Oberbaselbiet als Schaustücke für die Museumsbesucher hierher gebracht worden seien. Sozusagen als lebendige Spielzeuge. Sie würden ihr selbst und den Leuten, die vorbeikommen, „viel Freude bereiten“, versicherte sie mir. Was ich nicht bezweifelte.

Ob die Jungvögel von den Museumsbesuchern ebenso begeistert sind, war nicht auszumachen. Aber ich fragte mich, was diese eleganten Afrikaner mit ihrem wiegenden Gang, in diesem kleinen Gehege eingesperrt, mit dem deutsch-tschechischen Erzgebirge zu tun haben sollen. Immerhin können diese flugunfähigen Läufer in freier Wildbahn während 1 Stunde mit einer Geschwindigkeit von 80 km/h rennen. Sie brauchen also ein Territorium, das wir ihnen in unserem kleinen Land nie zur Verfügung stellen können. In Farmen sei ein Minimum von 300 m2 pro Tier vorgesehen, ist auf der Homepage South Africa Infoweb.com festgehalten. Ein Minimum, das vom Menschen festgesetzt wurde.

Ich machte meine Gesprächspartnerin auf diese Details aufmerksam. Aber sie liess sich von meinen Bedenken keineswegs beeindrucken. Verglichen mit anderen Straussenhaltungen hätten es die Tiere hier sehr schön, meinte sie. Es liess sie auch kalt, dass die Strausse nach ihrer Rückkehr auf ihre „Homefarm“ über kurz oder lang zu Schnitzeln verarbeitet würden. Der Tenor ihrer Argumentation: Dafür seien die Tiere ja da, wie auch unsere Kälber, Schweine, Kaninchen usw. Dafür würden sie doch gezüchtet. Und schliesslich sei auch der Mensch zum Sterben bestimmt. Ich wandte ein, dass ich nicht hoffe, gelegentlich dem Metzgermesser zum Opfer zu fallen, obwohl meine Lebenserwartung statistisch gesehen nicht mehr sehr gross sei. Aber ein Strauss könne in der Natur immerhin bis zu 70 Jahre alt werden – dieses Glück sei ihm in der Farm sicher nicht beschieden.

Kurz und gut, wir trennten uns nicht eben freundschaftlich, nachdem ich die beiden bemalten Ostereier bezahlt hatte. Und obwohl ich eigentlich später noch ein besonders kunstvolles Ei, für das ich zu wenig Geld bei mir hatte, holen wollte, beschloss ich dann, auf diesen österlichen Luxus zu verzichten . . .

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