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BLOG vom 03.03.2016


Vom Schaltjahr, März und Frühling

Autor: Richard Gerd Bernardy, Dozent für Deutsch als Fremdsprache, Viersen/Deutschland

 

Zwei Monate des Jahres sind vorbei, der Hartung, Hartmond oder Eismond und der Hornung, der Monat der Paarung, auch unehelich, denn „Horn“ bezeichnet ein unehelich gezeugtes Kind.
Wir sind jetzt in den 3. Monat, den Lenzing oder Lenz eingetreten, „Lenz“ bedeutet „länger“, denn die Tage werden wieder länger. Der Lenz ist der Frühlingsbeginn.
Als Kinder haben wir gesungen:

„Nun will der Lenz uns grüssen,
von Mittag weht es lau,
aus allen Ecken spriessen,
die Blumen rot und blau..“

Die Comedian Harmonists singen:

„Veronika, der Lenz ist da,
die Vöglein singen tralala.“

Der Lenz bezeichnet aber auch die Lebensjahre: „Wie viele Lenze hast du auf dem Buckel?“

Und wenn jemand nichts tut, also faul ist, wird er manchmal gefragt: „Willst du dir einen lauen (oder auch: schönen) Lenz machen?“

Für den Landwirt bedeutet der Lenz viel Arbeit:

„Im Märzen der Bauer die Rösslein einspannt …“ Na ja, so war es einmal, heutzutage ist es eher der Traktor, mit dem er sich auf die Felder begibt!

Der März hat 31 Tage und der Name kommt vom Kriegsgott Mars, nach diesem nannten die Römer den Monat Martius. Die waffenfähigen römischen Bürger versammelten sich draussen vor der Stadt auf dem Marsfeld und wählten ihren Feldherrn. Übrigens war der März für die Römer der erste Monat im Jahr und deshalb ist erst zu verstehen, warum der September (von lat. septem = 7) so heisst.

Im März ist der meteorologische Frühlingsanfang, die Tagundnachtgleiche findet in diesem Jahr  am 20.03. statt, die Sonne steht über dem Äquator im Zenit.

In unseren Breiten gehört der März noch dem Winter an, es ist kalt und es friert, manchmal ist es nasskalt. Die Sonne hat noch nicht die Kraft des Frühlings und Sommers, aber die Natur richtet sich schon darauf ein, die Knospen beginnen zu spriessen und bald ist die Zeit der Schneeglöckchen am Wegesrand vorbei und macht Platz für die Krokusse und die vielen anderen Frühlingsblumen. Die Natur „erwacht aus dem Winterschlaf“ und viele Menschen denken darüber nach, wie sie ihren Winterspeck wieder los werden können.

Ich schreibe diesen Text am 29. Februar im Schaltjahr 2016. Die Menschen, die an einem solchen Schalttag geboren worden sind, können den „echten“ Geburtstag nur alle 4 Jahre feiern.

Georg Christoph Lichtenberg, ein Physiker, schrieb 1793 ein Essay mit dem Titel:
„Trostgründe für die Unglücklichen, die am 29sten Februar geboren sind“.

Darin weist er richtig darauf hin, dass
„also ein Kind, das den 29. Februar 1796 geboren würde und etwa den 28. Februar 1804 stürbe, wäre acht Jahre alt geworden, ohne einen einzigen wahren Geburtstag erlebt zu haben, den kümmerlichen etwa ausgenommen, an dem es geboren worden ist, der gar nicht in Rechnung kommen darf und kann und in dem wahren Gratulantensinn des Worts kein eigentlicher Geburtstag ist.“

Da das astronomische Jahr aber etwas kürzer als 365,25 Tage ist, wird gelegentlich ein Schaltjahr ausgelassen. Dies ist bei Jahren der Fall, die glatt durch 100 teilbar sind (also z.B. 1800, 1900 und 2100). Hierzu gibt es allerdings auch eine Ausnahme: Jahre, die glatt durch 400 teilbar sind (also z.B. 1600, 2000 und 2400), sind Schaltjahre. Es wird also dreimal in 400 Jahren ein Schaltjahr ausgelassen.

Lichtenberg schlägt den Menschen vor, die am 29.02. geboren wurden:
„Man sieht hieraus, dass man seine Geburtsstunde, wodurch der Geburtstag bestimmt wird, (beginnend mit dem 28.02.) jedes Jahr um 6 Stunden später feiern muss, so lange bis das Schaltjahr die Sache wieder ins Gleichgewicht bringt.“

Ob das wirklich ein Trost ist? Ich weiss es nicht!

Den meisten von uns ist dieses Schicksal nicht ereilt worden. Und so freuen wir uns darauf, in den nächsten Wochen und Monaten wieder mehr Sonne und Wärme zu bekommen und auf die Stunden in der Natur!

Quelle:
Lichtenberg, Georg Christoph, Trostgründe für die Unglücklichen, die am 29sten Februar geboren sind, Büchergilde Gutenberg, 1. Auflage 1793

 


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