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BLOG vom 14.09.2016


Esche: Tödliche Gefahr für den „Weltenbaum“

Autor: Heinz Scholz, Wissenschaftspublizist, Schopfheim D

 


Prächtige Esche
 

In letzter Zeit wurde über das Eschensterben berichtet. Schuld ist ein kleiner Schlauchpilz (falsche, weisse Stengelbecherchen), der aus Asien stammt und im Zuge der Globalisierung in den 90er Jahren in Europa eingeschleppt wurde.
Zunächst wurde erkannt, dass die Triebe der Esche (Fraxinus excelsior) befallen werden, aber inzwischen droht die Gefahr nicht nur von oben sondern auch von unten. „Der Schlauchpilz öffnet am Fuss der Esche die Tore für weitere Holzzerstörer“, sagte der Forstpathologe Berthold Metzler in einem Bericht der Zeitschrift „Der Sonntag“ vom 04.09.2016.

Bitte kein Tabula rasa
Das Eschensterben wurde erstmals 2002 in Deutschland festgestellt. In den kommenden Jahren müssen angeblich 14 Millionen kranke Bäume in Baden-Württemberg gefällt werden. Die Esche ist zwar nur zu 4 % an den Waldbäumen beteiligt. Viele stehen in den Rheinauen zwischen Lörrach und Mannheim.
Die Esche liefert in etwa 80 Jahren Stammholz. Sie hat auch einen weiteren Vorteil: Sie verkraftet im Wasser zu stehen.

 


Flechten (Parmelina tiliacea) auf dem Stamm der Esche
 

Der erwähnte Forstpathologe erwähnte bei einer Begehung mit Förstern und Naturschützern im Auenwald bei Weisweil, es gäbe jedoch Hoffnung. Vielleicht gibt es Eschen, die genetische so ausgestattet sind, um mit den Pilz fertig zu werden.
Forstwirte und Naturschützer plädierten für einen Kompromiss. Eschen sollen nur in einem Gebiet gefällt werden, wenn 70 % der Bäume befallen sind. Man sollte auf jeden Fall nicht zur Strategie der Tabula rasa (also rücksichtslos Ordnung schaffen) greifen.

Eschenholz ist biegsam
Eschenholz ist wegen seiner Elastizität und Festigkeit sehr beliebt. Es wird verwendet für die Herstellung von Werkzeugteilen, Sportgeräten und Biegeformteilen.  Früher hatten Skiläufer Eschenbretter unter ihren Füssen.
Rita Lorenzetti-Hess und Ihr Mann Primo (selbständiger Möbelschreiner) sandten mir dazu  noch einige Ergänzungen. „Das Eschenzholz ist ringporig, hell, ausdrucksstark. Es ist biegsam und tragfähig. Es wird für den Möbelsektor verwendet, wenn es hell und gleichmässig ist. Früher wurde das Eschenholz wegen seiner hellen Frische oft für Kinderzimmer und Studiomöbel eingesetzt. 
Gewisse Standorte können Verfleckungen im Kern der Esche hervorrufen. Das dadurch braun gefleckte Holz wird für Arbeiten der Wagnerei, für den Schlittenbau und für Werkzeugteile verwendet. Es wird gesagt, ein Eschenwerkzeugstil verhindere Blasen beim Arbeiten. Eschenholz ist biegsam. Es federt. Deshalb ist die Verwendung für Sportgeräte (Holmen, Rudergriffe, Tennisschläger usw.) und für den Leiterbau und für Kletterstangen geeignet.“

Bei unserer Wanderung im Schauinslandgebiet am 31.08.2016 achtete ich nach den deprimierenden Meldungen über die Esche besonders auf freistehende Bäume. Ich wurde belohnt. Auf unserem Weg vom Zähringerhof nach Giesshübel sah ich in der Nähe eines Hofes eine freistehende prächtige Esche, die einen gesunden Eindruck machte. Der Stamm war mit Flechten bedeckt (s. Fotos). Die Flechten gedeihen ja besonders gut in einer schadstofffreien Luft.

Übrigens wird die Esche in der nordischen Liedersammlung „Edda“ als der Weltenbaum, als der kosmische Baum Yggdrasil besungen. Die Esche war dem Odin geweiht.

Wolf Hockenjos schrieb über die Esche in der Zeitschrift „Schwarzwald“ (3/2016): „Freistehende Hofeschen gehören bis heute zu den mächtigsten Laubbäumen des Schwarzwalds, so etwa diejenige am Hierahof bei Saig, die bei einem geschätzten Alter von 350 Jahren einen Brusthöhenumfang von über 7 Metern misst.“ Die von uns gesehene Esche dürfte ein Alter von etwa 100 Jahren haben.

Es bleibt zu hoffen, dass es der Esche nicht so ergeht wie die fast schon verschwundene Ulme.

Anmerkung: Über die medizinische Wirkung und Baumheilkunde berichte ich in einem gesonderten Blog.

Literatur
Haberer, Michael: „Tod eines Hoffnungsträgers“, „Der Sonntag“ vom 04.09.2016.
Hockenjos, Wolf: „Eschentriebsterben – eine tödliche Gefahr für den Weltenbaum?“,
„Schwarzwald“, Heft 3/2016.
Oesterle, Daniela: „Esche“ (Publikation über die Heilwirkung), www.netdoktor.de
Strassmann, René A.: „Baumheilkunde“, AT Verlag, Aarau 1994.

 


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