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BLOG vom 08.07.2005


Mitgefühl bei Eiltempo, Quelle des schnellen Glücks

Autorin: Rita Lorenzetti

Jedesmal wenn ich den Laden betrete, lese ich im Bereich der Einkaufskörbe „Fühlst du dich auch manchmal alleine, verlassen, im Stich gelassen?“ Diesen Worten kann ich einfach nicht widerstehen.

Unter diesem schwebenden Traktat stehen die Einkaufskörbe mit den dunkelroten Herzen. Wer sie benützt, signalisiert die persönliche Einsamkeit sowie den Wunsch nach Kontakt und Beziehung. Ich habe aus Versehen auch schon mit einem solchen Herz-Korb eingekauft, bin aber nicht angesprochen worden. Verständlich! Grossmütter werden keine gesucht. Hier verkehren junge Menschen, auch viele Schüler. Sortiment und Personal sind auf sie ausgerichtet. Das Durchschnittsalter dürfte 35 Jahre nicht überschreiten. Hier pulsiert die Zukunft. Wir befinden uns im Trendquartier Zürich-West, im Haus „Puls 5“ neben der alten umfunktionierten Giessereihalle, wo das hipe Leben stattfinden kann.

Als ich zum Zahlen anstehe, fällt mir eine Frau auf, die deutlich älter ist als jede Mitarbeiterin in diesem Laden. Sie trägt schon die schwarze Bluse, die hier Uniform ist, jedoch noch ohne aufgesticktes Firmenlogo. Offenbar wird sie in die Arbeit einer Kassiererin eingeführt. Sie sieht überfordert aus. Ich kann mir gut vorstellen, wie sie sich fühlt. Alles, was sie aufnehmen muss, zieht viel zu schnell an ihr vorbei. Die junge Vorgesetzte ist ein Profi, arbeitet flink und effizient, aber nicht einsichtig für uns, die wir zuschauen. Ich zwinkere der Neuen zu und signalisiere, dass ich sie verstehe. Sie lächelt. Ich sage auch: „Es geht schnell, nicht wahr?“ Sie scheint erleichtert, dass das jemand bemerkt. Jetzt weist mich aber die Verantwortliche zurecht. Sie hätten später Zeit, Details langsam anzugehen. Und ich rechtfertige mich: „Es war kein Vorwurf, nur Mitgefühl.“

Auf dem Heimweg treffe ich auf ein Plakat mit der Foto des Dalai Lama und dem Hinweis auf die bald stattfindenden Unterweisungen, die er in Zürich halten wird. Das Thema: „Mitgefühl, Quelle des Glücks“.

Mein Thema von vorhin. Aber nicht alle waren glücklich dabei. Ja, ich hätte auch Mitgefühl für die erfahrene Kassiererin entwickeln müssen, denn es war Pausenzeit und viele Schüler mussten im Eiltempo bedient werden.
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