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BLOG vom 05.07.2005


Angriff auf Wanderer: Wer sind die gestörten Rindviecher?

Autor: Heinz Scholz

Eine Urlaubergruppe aus Bayern, die in der Nähe von Zell am See (Österreich) über eine Almwiese wanderte, erlebte eine böse Überraschung. Die 40 Rinder, die auf der Alm friedlich grasten, hatten aber etwas gegen Eindringlinge. Sie hörten mit der Mampferei schlagartig auf und „bliesen“ zum Angriff. Sie attackierten 3 Personen aus der 10-köpfigen Wanderschar und verletzten diese schwer. Die übrigen flüchteten, dabei stürzten 2 Personen und verletzten sich; ein Familienmitglied erlitt eine Herzattacke, wie „Die Welt“ am 4. Juli 2005 berichtete. 

Als ich über dieses Ereignis las, wurde ich schlagartig an eigene Erlebnisse mit dem lieben Vieh bei Wanderungen erinnert. 

Mitte der 50er-Jahre waren meine Eltern, meine Schwester und ich auf einem Wanderweg im Allgäu unterwegs. Der Weg führte um eine Kuhweide herum; aber wir Kinder wollten unbedingt eine Abkürzung über die Weide benutzen. Kaum hatten wir die abschüssige Fläche betreten, sauste schon ein Bulle auf uns zu. Ich sah nur seine bedrohlichen Hörner und hörte ein wutentbranntes Schnauben. Wir rannten jedoch in landesrekordverdächtiger Zeit den Abhang hinunter und brachten uns in Sicherheit. Unsere Schlankheit und Flinkheit – wir gehörten damals zu den schnellsten unserer Altersklasse – rettete uns vor Verletzungen. 

Vor etlichen Jahren unternahm ich mit Anton Fitting aus Lörrach und einigen Bekannten eine Wanderung in der Nähe von Sissach. Als wir an einer Kuhweide vorbeischlenderten, rannten plötzlich 5 Jungtiere mit hängenden Zungen, weit aufgerissenen Augen und eckigen Sprüngen den Hang herunter in unsere Richtung. „Das können nur BSE-verseuchte Rinder sein – geht in Deckung“, meinte ein Begleiter. Aber zum Glück stoppten die Kühe vor einem Weidezaun. Sie waren nur neugierig oder wollten wohl etwas zum Fressen. 

Frau Anneliese Wulff aus Schönau erzählte mir eine unvergessliche Geschichte, die ihr beim Kräutersammeln passiert war: Als sie auf einer Weide besonders schöne Heilpflanzen entdeckte und keine einzige Kuh erblickte, kroch sie auf allen Vieren unter den Weidezaun ins saftige Grün. Sie sammelte einige Kräuter ein. Plötzlich hörte sie ein lautes Gebrüll. Über einen kleinen Buckel tauchte eine ganze Herde auf und rannte auf unser Kräuterweiblein zu. Diese liess alles fallen und sprang, was das Zeug hielt, den Abhang hinunter. Sie bekam zuviel Schwung, überschlug sich und purzelte hinunter. Sie sauste unter dem Zaun hindurch und blieb benommen am Wegesrand liegen. Nach kurzer Zeit rappelte sie sich auf und erreichte wie in Trance ein nahe gelegenes Wirtshaus. Der Wirt berichtete später, sie sei ganz zerzaust und zerkratzt angekommen und habe nur wirres Zeug gesprochen. Wahrscheinlich hatte sie eine leichte Gehirnerschütterung. Sie erholte sich jedoch schnell und war in den nächsten Tagen wieder auf der Suche nach heilkräftigen Kräutern. 

Zum Glück gibt es auch friedliche Vierbeiner (genauso wie bei den Zweibeinern) – sie bilden zweifellos die Mehrheit. Als wir vor etlichen Jahren vom Faulhorn (2684 m ü. M.) in Richtung Grindelwald abstiegen, lagen auf dem Wanderweg nahe der Bussalp hier und da einige Rinder faul herum. Ein Wanderer nahm seinen Hut ab und setzte ihn einer Kuh auf den Kopf und machte ein Foto. Ein anderer Witzbold wollte sich rittlings auf eine Kuh setzen, diese hatte jedoch etwas dagegen, sie rappelte sich hoch und flüchtete. Zum Glück war dies eine gutmütige Schweizer Kuh; denn sonst hätte der Witzbold eine böse Überraschung erleben können. In Gedanken sah ich den Burschen schon in hohem Bogen durch die Luft fliegen. 

Wie die geschilderten Vorfälle beweisen, sind die Wanderer selbst schuld, wenn sie von harmlosen BSE-freien Rindern angegriffen werden. Sie benutzen rigoros Abkürzungen und provozieren durch ihr Gejohle und Scherze Angriffe. Wohl aus diesem Grunde stellen jetzt immer mehr Landwirte – dies beobachtete ich besonders bei einer Wanderung im Feldberggebiet am 3. Juli 2005 – Schilder auf mit den Aufschriften „Rinder nicht auf der Weide stören!“ und „Wanderer nehmt keine Abkürzung über die Weide!“ 

Ob dies hilft? Ich glaube nicht, denn „gegen die menschliche Dummheit ist kein Kraut gewachsen“.

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