Botanisches Kuriosum: Blühende Kastanie im Herbst
Autor: Heinz Scholz, Wissenschaftspublizist, Schopfheim

Es ist schon erstaunlich, wenn man im Herbst eine blühende Rosskastanie sieht. Eine Frau aus Maulburg, die mit ihren beiden Hunden unterwegs war, zeigte mir in der Nähe des Schopfheimer „Wasserwerks Herzenau“ eine Rosskastanie, die an einigen Stellen erblüht war. Zunächst waren nur drei Blüten zu sehen. Eine Woche später bei einem erneuten Besuch waren schon mehr als 10 Blüten vorhanden. In einer weiteren Woche konnte ich mehr als 20 Blüten ausmachen. Der Baum macht einen traurigen Eindruck, da sämtliche braunen Blätter am Boden liegen und nur das Grün der neuen Blätter und Blüten zusehen sind.
Ich fragte mich, wie es in der Schweiz aussieht.
Markus Brupbacher, Journalist und Redaktor („Landbote“ Winterthur und Region) sah 2025 eine 130 Jahre alte Rosskastanie beim Schulhaus St. Georgen in Winterthur, die einen zweiten Frühling erlebte. Es waren fast alle braunen verdorrten Blätter abgeworfen. Dann das botanische Kuriosum: Es zeigten sich bis in den Oktober hinein Blüten und neue grüne Blätter. „Was hübsch aussieht, ist das Zeichen eines dramatischen Überlebenskampfes“, bemerkte der Redaktor.
Von Markus Brupbacher wollte ich wissen, ob die Blütenbildung auch 2026 zu sehen ist. „Die Rosskastanie sieht aktuell normal herbstlich aus. Wohl, weil sie dieses Jahr nicht (stark) von der Miniermotte befallen wurde“, bemerkte der Redaktor in einer Mail.
Als ich hörte, in Basel wäre auch eine herbstliche Blütenbildung zu sehen, wandte ich mich an die Stadtgärtnerei in Basel. Frau Petra Huser und Simon Leuenberger gaben mir die folgende Auskunft: „Die herbstliche Kastanienblüte wird durch verschiedene Stressfaktoren ausgelöst. Dazu zählen beispielsweise der Befall durch die Kastanienminiermotte, die Kastanien-Blattbräune sowie Trockenstress. In Basel können wir dieses Phänomen momentan vereinzelt beobachten.“
Autor: Heinz Scholz, Wissenschaftspublizist, Schopfheim

Ursachen der Blütenbildung
Wenn die Rosskastanie im Herbst zu blühen beginnt, ist das ein Zeichen von Stress, ausgelöst durch Wassermangel, eine Hitzeperiode und einen Schädlingsbefall. Durch den Fraß der Kastanienminiermotte in den Blättern konnten die Bäume nicht genug Photosynthese zur Saftproduktion betreiben. Die Raupen fressen die Blätter von innen heraus. Es bilden sich braune Blätter, die am Baum herabhängen. Bei vielen Bäumen in Schopfheim und der Region sind die Schäden an den Blättern zu sehen. Auch bei einem Wassermangel stockt die Photosynthese.
Martin Hänsel, Diplom-Forstwirt und stellvertretender Geschäftsführer des BUND-Naturschutz in München, erklärt dazu: „Kastanienminiermotte und trockene Sommer sind nur zwei von vielen Stressfaktoren, unter denen die Bäume leiden. Damit wir uns auch in Zukunft noch an großen gesunden Bäumen freuen können, müssen wir unsere Bäume bestmöglich schützen und erhalten.“

Internet
www.tagesanzeiger.ch
www.baumkunde.de
www.bund.net
www.bs.ch/stadtgaertnerei
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