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BLOG vom 11.01.2008


In meiner Rückschau gäbe es da und dort viel zu danken
Autorin: Rita Lorenzetti, Zürich
 
Ruedi war Buchdrucker und Fotograf alter Schule, als er noch im gleichen Gebäude arbeitete, in der sich auch unsere Werkstatt befand. Ein begeisterungsfähiger Mann, der keine Mühe hatte, sich auf Experimente einzulassen, auch wenn sie auf den ersten Blick nicht berufskonform waren. Er druckte uns verschiedenste Geschäftspapiere, Holzschnitte und ebenso Holz als Struktur.
 
Dann trennten sich unsere Wege, weil er an einem anderen Ort Arbeit fand. Jetzt, nach über 20 Jahren, meldete er sich wegen einer Schreinerarbeit wieder bei uns. Sein Besuch liess viele Erinnerungen aufsteigen. Ich freute mich, ihm zu sagen, dass wir seine Arbeiten immer noch schätzten und dass ich mir bewusst sei, wie viel er für uns getan habe.
 
Er schmunzelte, denn er wusste das selber auch. Nur ist es so, dass wir manchmal gar keine Möglichkeit haben, solche Einsichten auszusprechen. Ruedi war weggezogen. Wir hatten keine Adresse mehr von ihm. Er kreuzte unsere Wege nicht mehr. Und selbst wenn in Gedanken die Zusammenarbeit manchmal als wertvolle Erinnerung aufblitzte, setzte ich mich nicht hin und schrieb ihm. Die Rechnungen waren ja bezahlt. Und doch wünsche ich mir manchmal, die besondere Leistung, die wir anderswo nicht bekommen hätten, zu erwähnen.
 
Maurice, dem Südfranzosen, konnte ich nie danken, denke aber immer wieder einmal an ihn. Wir arbeiteten in Paris im selben Buchverlag. Ich war dort als Stagiaire angestellt, bearbeitete die eingegangenen Bestellungen, und er verpackte die Bücher. In der Pause holte er seine Gitarre und spielte hingebungsvoll Stücke von Manuel de Falla. Zum Ritual gehörte auch ein Apfel, den er anschliessend ass.
 
Von ihm hörte ich erstmals von den schädigenden Spritzmitteln, die über die Obstbäume gesprüht würden. Darum wusch er den Apfel jedesmal mit der unparfümierten Marseille-Seife und polierte die Haut des Apfels mit einem sauberen Tuch, bis sie glänzte. Das mache ich seither auch so. Und dafür möchte ich ihm danken. Er vermittelte mir, damals 19-jährig, die ersten Ansätze für eine bewusste, gesunde Ernährung.
 
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