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BLOG vom 19.09.2011


Wie viel trug die CH-Nationalbank zu den UBS-Verlusten bei?
Autor: Walter Hess, Publizist, Biberstein AG/CH (Textatelier.com)
 
Weil merkwürdigerweise die unlimitierte Geldverschleuderung der Schweizerischen Nationalbank (SNB) bei uns in der friedlichen Alpenrepublik plötzlich eine praktisch uneingeschränkte Bewunderung geniesst, hüten sich die Systemmedien, auf die erste negative Folge der „Aktion Frankenschwächung“ hinzuweisen. Man muss schon in ausländischen Medien herumstöbern, um zu erfahren, was Sache sein könnte. Zum Beispiel in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ vom 17-09-2011:
 
„Immer mehr verdichten sich Hinweise darauf, dass der bei der UBS entstandene Verlust unmittelbar in Zusammenhang steht mit den massiven Interventionen, die die Schweizer Nationalbank seit der vergangenen Woche tätigt, um den Franken an einer weiteren Aufwertung zu hindern. Die angekündigte und bisher durchgehaltene Kursbegrenzung bei 1,20 Franken je Euro führte dazu, dass die Volatilität im Handel mit diesem Währungspaar praktisch kollabierte. Waren zuvor bei der Bewertung von am Geld liegenden Devisenoptionen mit einer Laufzeit von einem Monat Volatilitäten von bis zu knapp 28 Prozent verwendet worden, so fielen sie unmittelbar nach der förmlichen Anbindung des Frankens an den Euro auf deutlich unter 10 Prozent. Am Freitag, 16.09.2011, liegt sie noch bei 5,7 Prozent.“
 
Die Meldung, auch wenn sie noch nicht bestätigt ist, erscheint durchaus plausibel zu sein. Selbstverständlich ist die massive Intervention der Nationalbank keine Entschuldigung für das dilettantische Verhalten des 31-jährigen, aus Ghana stammenden, in London tätigen UBS-Händlers Kweku Adoboli, der bereits Straftaten begangen hatte und von der Londoner Polizei wegen Amtsmissbrauchs polizeilich festgenommen wurde. Es kommt in dieser Branche immer wieder zu Pannen, Pech und Pleiten von Finanzjongleuren, die ihren Bankhäuser existenzbedrohende Krisen zugefügt haben: Besonders bekannt sind neben vielen anderen der Brite Nick Leeson, der die altehrwürdige britische Barings Bank in den Ruin trieb, oder der Franzose Jérôme Kerviel, der als Angestellter der Société Générale diese Bank um fast 5 Mrd. EUR erleichterte. Seit diesen und zahllosen weiteren, ähnlichen Vorfällen behauptet kein Knochen mehr, die Finanzbrache habe ihre Risiken im Griff. Fatale Alleingänge einzelner Händler können offenbar nicht unterbunden werden, denn die Geschäfte im Aktien-, Devisen- und Rohstoffhandel wickeln sich, computerbeschleunigt, in Sekundenschnelle ab. Da gibt es keine Zeit für langwierige Konferenzen. Wenn alles gut geht, wird der Zocker zum gefeierten, mit Boni überschütteten Star-Trader, sonst zum Rogue-Trader (Schurkentrader). Der Weg vom Little Rouge Trader (handelnder Lausejunge) zum Schurkentrader ist kürzer als man denkt. Man kennt solche Abläufe aus der US-Kriegspolitik.
 
Herr Adoboli, der angeblich in Traderkreisen ein hohes Ansehen genoss, obschon er schon mehrmals versucht hatte, in die eigene Tasche zu wirtschaften, hatte offenbar mit Börsennotierten Indexfonds (ETFs) gehandelt. Diese von den Banken im Moment intensiv forcierten Indexfonds stehen seit Monaten in der Kritik. Laut einer Mitteilung der „Handelszeitung“ haben der Finanzstabilitätsrat (FSB), die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) und der Internationale Währungsfonds (IWF) Börsennotierte Indexfonds im April 2011 als Risiko für die Stabilität des globalen Finanzsystems bezeichnet. Andere Institutionen und einige Investoren hatten in die Kritik eingestimmt. Durch Swap- und Wertpapierleihe-Geschäfte, welche die Fonds eingehen, sei vielfach kaum nachvollziehbar, welche Investitionsrisiken wo lägen. Traders und ganze Systeme geraten ausser Kontrolle. Die Spuren sind an der Börse genau nachzuvollziehen.
 
Die Warnungen haben sich jetzt als berechtigt erwiesen. Und als ob der Risiken noch nicht genug sei, werden solche Spekulationen noch in synthetische Produkte eingebunden. Dabei werden Trillionenbeträge von irgendetwas kreiert, ohne dass sie wirklich bestehen.
 
Und damit wird es leicht, den Übergang zur SNB herzustellen: Auch hier wird Geld aus dem Nichts heraus erschaffen, das leider nicht mehr im gleichen Nirwana zum Verschwinden gebracht werden kann. Es wird zum Pferdefuss, auf Jahre hinaus. Versuchen einflussreiche Banker das Finanzsystem aus den Angeln zu heben? So entblödete sich der US-Finanzminister Timothy Geithner nicht, ans Treffen der EU-Finanzminister in Wroclaw (Polen) zu reisen, um diese das Schuldenmachen zu lehren – darin sind die USA ja führend. Seine Forderung, deutlich mehr Geld zur Finanzierung und „Stabilisierung“ des EU-Bankensektors herauszuwerfen, wurde abgeschmettert. Schliesslich steckt auch die EU tief genug in der Schuldenfalle.
 
Auch die Nationalbank verzockt Milliarden und hat damit, gewissermassen als Kollateralschaden, der UBS einen empfindlichen Tiefschlag versetzt. Oder anders ausgedrückt: Zusammen mit dem Schweizer Franken wurde gerade auch noch die UBS geschwächt; doppelt geschwächt hält besser.
 
In altersweiser Voraussicht hat der UBS-Chef Oswald Grübel zur Zeitung „Der Sonntag“ vom 11.09.2011, also noch vor dem Trader-Skandal, gesagt: „Die Nationalbank gefährdet den Wohlstand der Schweiz“, womit er die Einführung der Wechselkurs-Untergrenze von 1.20 CHF pro EUR kritisierte. Damit gebe die Schweiz ihre geldpolitische Untergrenze der Schweiz auf, und mit einem festen Wechselkurs verliere unser Land den Wohlstandsvorsprung auf die EU. Ich war schon 3 Tage vorher im Blog vom 08.09.2011 („Schweiz: Grenzenloser Unsinn des grenzenlosen EUR-Kaufs“) zur gleichen Einsicht gelangt. Und entsprechend habe ich mich über die Weitsicht des UBS-Chefs gefreut, die natürlich kein grosses Medienecho fand.
 
Ein kleines Land wie die Schweiz könne doch der EU keinen Wechselkurs diktieren, fügte Oswald Grübel bei. Ähnlich hatte sich auch die „Financial Times“ vernehmen lassen: Da wedle der Schwanz mit dem Hund. Dennoch wenigstens verbreiten CS-Analysten Zweck-Zukunftshoffnungen: Sie rechnen damit, dass der Euro in 3 Monaten auf 1.25 Fr. und innert 12 Monaten auf 1.30 Fr. steigen wird. Rechnen mit Unbekannten kann man immer. Aber Banken-Prognosen können mir allmählich gestohlen werden.
 
Dieses Wedeln mit dem ganzen Hund hinterlässt starke Spuren, und die grössten Schäden bauen sich am Horizont erst auf. Wie viele gute, starke Schweizer Franken, welche die Nationalbank bereits in den dramatisch zerfallenden Euro verlocht hat, darf die Öffentlichkeit nicht erfahren. Die Zahlen sind geheim. Nationalbankgeheimnis. Der Zockerverlust des Ghanesen dürfte vergleichsweise bescheiden sein.
 
Aber nicht der Rücktritt des SNB-Bosses Philipp N. Hildebrand wird jetzt gefordert, sondern jener des tüchtigen UBS-Chefs Oswald Grübel, der zu anständigen Konditionen als Nachfolger von Marcel Rohner mit allen Mitteln seit Februar 2009 verzweifelt versucht, den UBS-Karren mit dem ihm eigenen harten Stil aus dem Dreck zu ziehen, ohne diesen dort hinein gestossen zu haben. Bundesrat und Politik legten den Grossbanken alle erdenklichen Barrikaden in den Weg: Die unüberlegte Preisgabe des Bankgeheimnisses ist die wohl höchste Hürde – dazu kommt noch das ständige Kuschen vor den US-Gaunereien, zu denen die Schweiz unterwürfig schwanzwedelnd Ja sagen musste.
 
Herr Grübel hat als Ostdeutscher ohne CH-Bürgerrecht, das ihm durchaus zustehen würde, mehr Sympathie und Verständnis für die Schweiz als viele nationale Koryphäen, die sich eigentlich um das Wohl und die Unabhängigkeit unseres Landes von Amtes wegen zu kümmern hätten, aber lieber ihre Wahlchancen aufpäppeln. Bleiben Sie uns erhalten, Herr Grübel! Er denke ohnehin nicht über einen Rücktritt nach, sagte er zum „Sonntag“ (18.09.2011). Sein jüngstes Meisterstück: Er hat sämtliche UBS-Werbeaktivitäten in Zeitungen und im Fernsehen gestoppt, weil bei den negativen Schlagzeilen ohnehin alles verpuffe. Das spart viel Geld.
 
Der Linksdruck mit seiner Tendenz zur unbegrenzten Öffnung und der Lust am nationalen Untergang bewirkt, dass Leute, die zur Schweiz stehen und diese Tendenz unterbinden möchten, hinweggefegt werden. Der Druck wird medial verstärkt. Die SP-Nationalrätin Susanne Leutenegger Oberholzer durfte vor laufender Kamera des linken SF-Fernsehens unverzüglich Grübels Rücktritt fordern, noch bevor genau bekannt war, was denn überhaupt passiert ist. Und dann forderte auch die Sozialdemokratische Partei (SP) in einem arroganten, selbstherrlichen und unverantwortlichen Ton die Absetzung von „selbstherrlichen, arroganten und unverantwortlichen Managern wie Grübel“. Offenbar ist die SP die oberste Bankenaufsicht und für die Wahl zuständig – und nicht etwa der Verwaltungsrat ...
 
Die Kontrollsysteme sollten nicht nur bei den Banken, sondern auch in der hohen Politik ausgebaut werden. Unheil kann auf jeder Ebene angerichtet werden – besonders schlimm, wenn ein Unheil nicht allein kommt, wenn sich ein Unheil mit dem anderen und dann noch mit einem weiteren schneeballmässig kumuliert.
 
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