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BLOG vom 14.04.2012


Leseranfragen (2): Die rätselhafte Weissfleckenkrankheit
Autor: Heinz Scholz, Wissenschaftspublizist, Schopfheim D
 
Richard Gerd Bernardy,  Dozent für Deutsch als Fremdsprache, Viersen/Niederrhein D, zurzeit in Bangalore/Indien und unser neuer Blogger, schrieb mir in einer E-Mail vom 04.04.2012 die folgenden Zeilen:
 
„Beim Durchblättern durch die Blogs stiess ich auf Ihren Artikel über die Haut. In der Kürze der Darstellung kann er nicht alle Aspekte bringen. Ich ,leide’ seit über 30 Jahren an Vitiligo, der Weissfleckenkrankheit. Die Pigmente haben sich in dieser Zeit schon so grossflächig zurückgezogen, dass nur an wenigen Stellen des Körpers noch welche vorhanden sind, und die werden dann im Sommer (oder hier in Bangalore in der fast durchgängig scheinenden Sonne) braun. Die befallenen Stellen, die ich der Sonne aussetze, werden von mir mit Creme mit dem Lichtschutzfaktor 50 geschützt, was auch gut funktioniert. Ein Sonnenbrand wäre immer sehr schmerzlich, die Haut würde rot und nach einiger Zeit abschuppen. Welche Ursachen es für diese Krankheit gibt, habe ich noch nicht herausfinden können. Auch eine erfolgversprechende Behandlungsmethode fehlt. Ich kann übrigens problemlos damit leben, es ist nichts zu erkennen, im Gegensatz zu vielen Indern, denen die weissen Flecken das Gesicht verunstalten. Manchmal sind die Pigmente auch so weit verschwunden, dass die Personen ,wie Weisshäutige’ aussehen, obwohl sie eigentlich braunhäutige Inder sind. Es würde mich interessieren, was Sie davon wissen!“
 
Bevor ich antworte, möchte ich noch 2 weitere Leseranfragen aus den 1990-er Jahren hier anführen (der 1. Fallbericht ist aus meiner Erinnerung heraus geschrieben).
 
Eine Mutter schilderte mir die Weissfleckenkrankheit bei ihrer 15-jährigen Tochter so: Die Flecken traten besonders im Gesicht auf. Die Heranwachsende war verzweifelt. Sie versuchte, die Flecken mit allerlei Cremes zu verdecken. Schlimm wurde es, als die Flecken sich auch an anderen Körperstellen zeigten.
 
Und Frau A. K. aus Strassburg schrieb mir das Folgende: „Mein Neffe leidet seit letztem Jahr an Pigmentstörungen. Er ist 9 Jahre alt. Die medizinische Diagnose lautet: Vitiligo. Der Arzt behauptet, es gebe kein Mittel zur Heilung. Es sind weisse Flecken aufgetreten, nachdem mein Neffe im Schwimmbecken gebadet hat. Inzwischen haben wir einen Naturarzt konsultiert, und dieser empfahl eine innerliche und äusserliche Behandlung mit Naturarzneien. Aber es gab keine grosse Änderung im Hautbild.“
 
Die Frau las damals mein Buch „Mineralstoffe und Spurenelemente“. Im Kapitel über Kupfer erwähnte ich damals, dass ein Kupfermangel u. a. zu Pigmentstörungen führen würde. Frau A. K. wollte wissen, ob sie dem Kleinen Kupfer geben oder ob ich ihr eine andere Empfehlung machen könne.
 
Aus den letzten beiden Briefen ist ersichtlich, wie verzweifelt die Menschen waren und sind. Was ich den Lesern empfahl, werde ich später berichten. Zunächst einige grundsätzliche Fakten zur Krankheit.
 
Ursache noch unbekannt
1 bis 2 % der Weltbevölkerung leiden unter Vitiligo. Die Flecken können schon beim Säugling auftreten. Meistens zeigen sich die Flecken zuerst im Gesicht, im Anus-Genital-Bereich oder an Armen und Händen. Vitiligo tritt zwar familiär gehäuft auf, aber es gibt keine eigentliche Vererbung, wie dies zum Beispiel bei der Schuppenflechte der Fall ist.
 
Leider ist die Ursache der Weissfleckenkrankheit auch heute noch unbekannt. Es gibt mehrere Theorien, angefangen von einem Enzymdefekt mit Schädigungen der Pigmentzellen durch Sauerstoffverbindungen (oxidativer Stress durch Sauerstoff-Radikale) bis hin zur Bildung von Antikörpern gegen Pigmentzellen. „Eine schlüssige Begründung fehlt jedoch noch immer. Am Ende kommt es immer zum Untergang der Pigmentzellen, wodurch die Haut in diesen Regionen weiss wird“, schreiben die Autoren des Buches „Haut, gesund, schön, gepflegt“ (siehe unter Literaturangaben).
 
Diskutiert wird, wie angetönt, auch ein Kupfermangel. Kupfer ist nämlich wichtig für die Aktivierung der Tyrosinase. Bei einem Mangel ist die Aktivität des genannten Enzyms reduziert. Dadurch erfolgt die Produktion von Melanin über die Aminosäure Tyrosin nicht im ausreichenden Masse. Folgeerscheinungen sind Albinismus und Vitiligo. Im 2. Fall, den ich oben vorstellte, riet ich zu einer Kupferbestimmung in den Haaren des Jungen.
 
Empfehlungen bei Vitiligo
Es gibt minimal-chirurgische Eingriffe (Suction-Blister-Methode), Calcitonin-Hemmer und andere Wirkstoffe in Form von Salben. Ärzte verordnen auch Kortisontabletten oder raten zu UVB-Strahlen oder einer Farbbestrahlung (Blau-, Grünlicht). Keine der genannten Therapien hatte einen durchschlagenden Erfolg. Auch ein Klinikaufenthalt brachte nichts.
 
Die Haarmineralienexpertin Frau Dr. Eleonore Blaurock-Busch hat interessante Therapievorschläge: „Phenylalanin ist eine (...) Aminosäure. Aus ihr kann Tyrosin synthetisiert werden. Experimentelle Arbeiten demonstrierten schon 1985, dass eine 4-monatige orale Zufuhr von Phenylalanin sogar eine Wiederpigmentierung zur Folge hatte. Der Mediziner Dr. Cormane berichtete, dass die mit Phenylalanin und UV-Strahlen behandelten Patienten die Sonnenbestrahlung besser tolerierten, und dass Pigmentflecken abheilten.
 
Klinische Studien demonstrierten, dass Magensäuremangel bei Vitiligo-Erkrankten nicht selten ist und dass in vielen Fällen eine direkte Beziehung zu der Schwere der Erkrankung nachgewiesen werden konnte. Der amerikanische Arzt Francis berichtet von 4 Patienten, die unter deutlichem Magensäuremangel litten. Nach 2-jähriger Behandlung mit säureanreichernden Magenmitteln verschwanden die Weissflecken.“
 
Vitiligo-Patienten sollten eine intensive Sonnenaussetzung vermeiden. Auch normales Bräunen ist laut Eleonore Blaurock-Busch nicht anzuraten. Sie empfiehlt folgendes Nährstoff-Programm bei Vitiligo:
 
1. Co-Enzym Q10 plus Tyrosin,
2. Multi-B-Komplex (B-Vitamine),
3. Multi-Nährstoffprodukt auf Aminosäurebasis,
4. darmunterstützende Enzyme.
Wer diese Mittel einmal ausprobieren möchte, sollte sich mit einem Therapeuten in Verbindung setzen.
 
Camouflage bei Hautveränderungen
Ein gutes Mittel ist die Camouflage (diese Empfehlungen gab ich auch an die Leserinnen weiter): Mit dieser speziellen Make-up-Technik ist es möglich, Hautveränderungen, die weder chirurgisch zu beseitigen noch medikamentös beeinflussbar sind, abzudecken. Kaschieren (überdecken) kann man Feuermale, Akne, rote Gesichtsflecken, Altersflecken, Leberflecken, braune Hautflecken, erweiterte Äderchen (Teleangiektasien), Krampfadern, Narben, weisse Hautflecken (Vitiligo) und Tätowierungen. Die Abdeckungen sind wasserfest, schweiss- und sonnenbeständig und zu 80 % reibfest. Die Produkte eignen sich für jeden Hauttyp. Besonders erfreulich ist ihre gute Verträglichkeit.
 
Für das Camouflage Make-up braucht man folgende Produkte: Camouflage-Sticks (6 Farbtöne), Fixier-Puder, Spezial-Entferner, Gesichtswasser und Feuchtigkeits-Emulsion.
Am besten lässt man sich von einer Kosmetikerin beraten.
 
Wie mir Anges Kling-Schlicker vom Institut Mare Plus (Methode Thalasso Plus), Saarbrücken D, in einer E-Mail vom 05.04.2012 mitteilte, ist die Camouflage immer noch aktuell, und es gibt keine andere Möglichkeit, diese Hauterscheinungen abzudecken.
 
Internet
 
Literatur
Blaurock-Busch, Eleonore: „Mineralstoffe und Spurenelemente“ (Labor, Diagnose & Bewertung), Eigenverlag, Hersbruck 2010.
Blaurock-Busch, Eleonore: „Haut-, Haar- und Nagelprobleme“ (Nährstoffe für optimale Gesundheit und Schönheit), Biologischer Arbeits- und Forschungskreis, Hersbruck 1999.
Scholz, Heinz: „Was die Haut verrät“, Midena Verlag, Küttigen/Aarau 1993.
Scholz, Heinz: „Mineralstoffe und Spurenelemente“, Trias Verlag bzw. Georg Thieme Verlag, Stuttgart 1996.
Steinkraus, Volker; Reich, Kristian; Schlolaut, Marie-Anne: „Haut, gesund, schön, gepflegt“, DuMont Buchverlag, Köln, 2011.
 
Hinweis auf ein weiteres Blog zu einer Leseranfrage
11.04.2012: Leseranfragen (1): Wie dosiert man Kochsalz in Speisen?
Ihre Meinung dazu?

 
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