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BLOG vom 26.02.2006


Geflügelpest in der Schweiz angelangt: Vogeljäger im Abseits
Autor: Walter Hess
 
Die wild lebenden Vögel können in den für sie schweren Zeiten zum Teil aufatmen: Die schweizerischen Bundesämter für Veterinärwesen BVET und für Umwelt BAFU haben den 26 Kantonen am Sonntagnachmittag, 26. Februar 2006, dringend empfohlen, die Vogeljagd sofort zu verbieten – ein Schritt, der allerdings schon in H5N1-freien Zeiten fällig gewesen wäre. Pro Jahr werden wegen der auch in der Schweiz verbreiteten Schiesslust allein etwa 9000 Wasservögel (2004/05: 393 Reiherenten, 367 Tafelenten, 6876 Stockenten usf.) niedergemetzelt. Insgesamt werden in der Schweiz jährlich zwischen 44 000 und 58 000 Vögel mit Schrot vom Himmel geholt – geradezu italienische Zustände. Wie viele Prozente der tatsächlich abgeschossenen Vögel die Ehre erhalten, in der amtlichen Statistik aufzutauchen, weiss ich nicht. Weitere detaillierte statistische Informationen zum fröhlichen Abschiessen: http://www.wild.unizh.ch/jagdst/.
 
Die Abschussverbotsempfehlung hängt mit der Ankunft der Vogelgrippe in der Schweiz zusammen. Die Massnahme soll mithelfen, die Verbreitung des Vogelgrippevirus möglichst einzuschränken. Profiteure sind insbesondere die Rabenkrähen, da diese als Aasfresser Virusträger sein könnten. Wasservögel dürfen momentan ohnehin nicht gejagt werden; für sie gilt vom 1. Februar bis am 31. August Schonzeit – warum eigentlich nicht rund ums Jahr?
 
Ausnahmen können die Kantone für Abschüsse von Vögeln im Rahmen von so genannten „Regulationsprogrammen“ (z. B. Rostgänse oder Kormorane) bewilligen. Diese werden von der Wildhut oder besonders instruierten Jagdaufsehern und Jägern durchgeführt, wahrscheinlich, weil man der anthropogen verunstalteten Natur keine hinreichenden Regulationskräfte mehr zutraut.
 
Laut Medienberichten hat die Geflügelpest (Vogelgrippe) heute Sonntag die Schweiz erreicht: Erste Fälle seien mitten in Genf, gleich neben dem hohen Springbrunnen „Jet d' eau“, und bei Stein am Rhein festgestellt worden. In Genf sei ein Gänsesäger „positiv getestet“ worden; doch der genaue Virustyp muss noch bestimmt werden. Und in Stein am Rhein lag eine tote Tafelente in einem Garten. Die Dahingegangenen mögen in Frieden ruhen.
 
So darf sich die Schweiz nun in die internationale Vogelgrippe-Gemeinschaft eingebunden fühlen und erfahren, dass es eigentlich keine Landesgrenzen gibt: Wasser auf die Mühlen der Globalisierer. Und zweifellos werden noch weitere Vögel tot vom Himmel fallen, so dass unsere Jäger ihre Munition für jene Zeiten aufsparen können, in denen die lustige Jägerei wieder erlaubt sein wird.
 
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