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BLOG vom 14.08.2006


Erfolgsrezepte gegen den Misserfolg? – Aphorismen
Autor: Emil Baschnonga
 
Immer wieder versprechen Autoren und „Gurus“ in ihren Büchern oder Kursen den schnellsten und leichtesten Weg zum Erfolg. Derlei Wunderformeln (Mantras) machen mich stutzig und misstrauisch. Die Taube bleibt auf dem Dach und lässt viel Taubendreck fallen.
 
Dieser Aufsatz kann nur gelingen, wenn zuerst das Allerweltswort „Erfolg” näher bestimmt wird. Ich siedle diesen Begriff ein Stockwerk höher an, also über den materiellen Erfolg, der gewiss nicht jedermanns Sache noch Absicht sein kann. Aber was tun, wenn man das falsche Stockwerk bezogen hat? Ein Haus mit mehreren Stockwerken erweitert die Erfolgsaussichten. Dazu muss man viel treppauf und treppab gehen, bis man das für uns geeignete und auf unsere Fähigkeiten abgestimmte Stockwerk findet. Das soll gesund sein.
 
Ich beginne, indem ich einige meiner Aphorismen pflückte und zerpflückte:
 
„Ich gebe nicht nach“, sagte er, was ergibt, dass er sich selbst nachgab.
Ohne Ausdauer ist auf die Dauer nichts gewonnen.
Er kannte keine Misserfolge, weil er diese anderen und der Welt aufbürdete.
 
Diese Aussprüche haben leider viele Kehrseiten, welche in der viel begangenen Sackgasse „der vergeblichen Liebesmühen“ enden:
 
Zwar hatte er Hefe. Doch knetete er sie in Lehm statt Teig.
Der Eine will Blüte sein, der andere Wurzel. Keinem liegt am Stängel.
Mancher, der meint, im Leben ein Blumenbinder zu sein, wäre besser ein Bürstenbinder geworden.
 
Es fällt dem Ego schwer, Abstriche zu leisten. Nach 12 Jahren Violinunterricht musste ich schliesslich einsehen, dass jeder einigermassen begabte Dilettant mich „spielend“ überflügelte. Von der E-Saite aufwärts haperte es mit meinem Gehör. Meine Augen klebten am Notenblatt. Selbst dann konnte ich nicht frisch vom Blatt spielen, sondern musste Notenlinie um Notenlinie einüben. Die Synkopen trieben mich zur Verzweifelung. Mein kleiner Finger an der linken Hand war kürzer als jener an der Hand, die den Bogen führt. Ich musste mein Handgelenk strapazieren, um ohne Lagewechsel eine höhere Note zu erhaschen. Nein, ich habe das Geigenspiel nicht aufgegeben, aber ich spiele für mich allein. Das entspannt mich, auch dann, wenn ich die gleichen alten Fehler wiederhole …
 
Hier gab es für mich nur einen Ausweg, nämlich Trostpillen zu finden und zu schlucken. Ich habe bei meinem Unterfangen immerhin den Wert der Disziplin erkannt, die ich, so gut ich kann, auf andere aussichtsreichere Lebensinhalte verpflanze. Ein tieferes Verständnis für klassische Musik hat mir die Geige immerhin erschlossen.
 
Die meisten Trostpillen schmecken bitter.
Auch ein Trost: Der Luftzug trägt die Feder eines Spatzen weiter als die des Pfaus.
 
Gute Vorsätze, das weiss ich auch, sind leicht gefasst. Aber wie oft trifft nicht dieser Satz zu?
 
Vorsatz kommt selten zum Nachsatz.
 
Der Mensch unterbindet sich leicht den Weg zum Erfolg, ohne dies zu bemerken. Ohne hier auf die Ursachen des Misserfolgs einzugehen, mögen die folgenden Aphorismen als Wegmarkierungen zum Erfolg dienen, oder anders gesagt, dazu beitragen, Klippen zu meiden:
 
Sich und anderen nichts vormachen, ist eine Rosskur, die wenige wagen. Zwar ist verbürgt, dass man sie heil übersteht.
Eben das möchte niemand erleben.
Er hing alles an den Nagel – der leider abbrach.
Wer das Risiko tilgt, zertrümmert die Chance.
Es genügt oft, die Gangart der Routine zu wechseln.
Gefahr des Tätigen: Irrtum. Die des Trägen: ihn übernehmen.
Der Gehörgang erspart manchen unnötigen Gang.
Bildlich gedacht: Wer aus dem Rahmen fällt, war wohl als Bild zu sehr auf den Rahmen bedacht.
Die Hauptsache ist dort meistens Nebensache.
Die Gelegenheit erst beim Schopf packen, wenn sie einen hat.
Nebenbeschäftigungen halten uns von der Hauptaufgabe ab.
Sachverhalt: Das dumme an der Sache ist, dass sie zu klug ist.
Wer den Ursachen seines Versagens nachgeht, biegt in den Weg zum Erfolg.
Das „man“ hat an seiner Stelle gelebt.
 
Selbst wer sattelfest ist, muss mit dem Gaul rechnen.
 
Der wirksamste Schlüssel zum Erfolg, glaube ich, muss ins Schloss einer persönlichen Vorliebe passen. Erfolg lässt sich sonst schwer erreichen und halten. Glück hat, wen seinen Beruf erfüllt und wenn dieser Freude abwirft.
 
Ich kann nicht unbedingt behaupten, dass mich meine Berufsarbeit begeistert und voll in Beschlag nimmt. Dieses Manko an Enthusiasmus kann durch Gewissenhaftigkeit aufgewogen werden, so dass man am Ende der Arbeit wenigstens den Stolz hat, etwas Ordentliches geleistet zu haben. Schliesslich braucht man Geld zum Leben. Das bedeutet, dass man auch auf verschiedenen Stockwerken heimisch und tätig sein kann. Wer dabei mehr als einen Erfolg hat, ist ein Glückspilz.
 
Hinweis auf weitere Aphorismen von Emil Baschnonga
 
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