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BLOG vom 01.09.2007


Heimkehr aus den südlichen Gefilden – nach London
Autor: Emil Baschnonga, Aphoristiker und Schriftsteller, London
 
Die Sommerferien sind vorbei. Viele Feriengäste kehren aus dem Süden in ihre nördlichen Gefilde zurück. Die Schulen öffnen die Tore. Hausaufgaben warten auf. Auf den Strassen verdichtet sich wieder der Stossverkehr. Die schlimmsten Regengüsse seit Menschengedenken haben England überflutet. Kein Wunder, dass die Leute Reissaus in Richtung Süden nahmen, wo auch nicht alles so ist, wie es sein sollte: Waldbrände in Griechenland.
 
Bald liegt das Herbstlaub auf den Schienen. Der Verkehr stockt dann, wie alle Jahre wieder, in England. Die Parksünder werden abgezapft. Vor den Pubs und Clubs häufen sich Zigarettenstummel mehr und mehr seit dem Rauchverbot. Horden von jugendlichen Messerstechern und Revolverhelden suchen und finden ihre Opfer. Die Alkoholfahne flattert, wenn die Besoffenen herumtorkeln. Das Fernsehen tischt ein Gewaltsmenü auf. Alle Medien halten mit. Der Fussballrummel ist schon im vollen Gang. Die „Celeb-Nutten“ machen sich überall breit. Die Geschäfte rüsten sich jetzt schon für Weihnachten. Der Schuldenberg wetteifert mit Jungfrau, Mönch und Eiger.
 
„Essen Sie weniger Fleisch!“, rät ein Guru, denn das enthornte Hornvieh pumpe zu viel Methan in die Luft. „Essen Sie einheimisches Grünfutter!“, wird empfohlen, wiewohl die magere Ernte hier die Preise hochtreibt. „Bleiben Sie gesund und fahren Velo!“ Wer sich an diesen Rat hält, lebt gefährlich. Die englischen Autofahrer und die 6-achsigen Lastfahrzeuge verdrängen die Radfahrer an die Kerbe voller Schlaglöcher. Der Kluge bleibt zuhause und wechselt die Glühbirnen aus und sortiert den Kehricht.
 
„Was ist denn mit dir los?“ werfe ich mir vor. Das Leben hat doch auch seine schönen Seiten. Denke doch an die schönen Spaziergänge und Ausflüge, wie so verlockend in den Blogs vom Textatelier geschildert! Hätte ich nicht meinen Garten und fehlten mir meine Dichterfreunde und Komponisten, würde ich in den Rhein springen. Nein, der Rhein ist zu weit entfernt, und ausserdem steht mir viel zu viel Arbeit bevor. Zuerst besuche ich mit meinen Geschäftskollegen schon ab diesem Sonntag die „Speciality & Fine Food Fair“ in London. Hoher Geschäftsbesuch aus der Schweiz ist für die 2. Wochenhälfte angesagt, und ich muss mich für die gemeinsamen Firmenbesuche vorbereiten, zuerst in Wales und dann im nördlichen Teil von England. Am Freitag wird ein Geburtstag gefeiert.
 
Eigentlich bin ich froh, dass ich ein volles Pensum vor mir habe und dank ihm von mir und meiner schlechten Laune Abstand nehmen kann, weit weg von den Kehrseiten der Welt. Dazwischen lässt sich gut essen und plaudern und auch lachen. In der Zwischenzeit staut sich meine Schreiblust, was für mich eine besonders gute Seite meines Lebens ist, eben wie diese Seite auch für heute.
 
Ein schönes Wochenende.
 
Hinweise auf weitere Blogs zum Leben in England
21.04.2005: Monster und Lichtblicke: Was alles in der Zeitung stand
19.03.2005: Den Parksündern in London platzt der Kragen
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