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BLOG vom 07.04.2009


Gesunde Ernährung für Schüler: „Essen, was Mama kocht“
Autor: Heinz Scholz, Wissenschaftspublizist, Schopfheim D
 
„Ich esse, was Mama kocht“, war eine Äusserung einer 8-jährigen Schülerin in der Grundschule Tegernau D (Kleines Wiesental). Da dachte ich mir: Es gibt also noch ein Kind,  das mit der Kocherei der Mama zufrieden ist und alles isst, was auf den Teller kommt. Auf der anderen Seite gibt es wohl viele Heranwachsende, die Appetit auf ganz andere Speisen haben als Erwachsene und nicht immer für eine gesunde Kost zu begeistern sind. Sie bevorzugen Hamburger, Pommes mit Ketchup, Chips, Süssigkeiten, Schokoladenriegel, Schoko Crossies, Choco Krispies und Milchschnitten. Es sind meistens Produkte, die im TV stark beworben werden. Und die Firmen lügen oft das Blaue vom Himmel herunter. So wird behauptet, dass beispielsweise die Milchschnitte die Extraportion Milch bringt. In Wirklichkeit enthält solch ein Produkt viel Zucker und Fett. Die Menge Milch, die in einer Schnitte drin ist, passt auf einen Esslöffel.
 
Foodwatch (www.foodwatch.de) hat jetzt den „Goldenen Windbeutel“ für die dreisteste Werbelüge verliehen. Zur Auswahl standen Actimel von Danone, Bahlsen Gourmet-Geniesserkuchen, Biene Maja von Bauer, Frucht-Tiger von Eckes-Granini (die Firma behauptet jetzt nicht mehr, dass dieses Getränk gesund ist!) und Bertolli Pesto Verde von Unilever. Sieger wurde das Produkt von Danone. Begründung: Danone preist ihr Produkt als Wundermittel zu erhöhten Preisen an, ist jedoch kaum wirkungsvoller als ein normaler Joghurt, nur doppelt so süss. Foodwatch wollte den Goldenen Windbeutel der Firma überreichen. Danone nahm jedoch den Preis nicht an. Wer will schon mit einem Windbeutel ausgezeichnet werden.
 
Spaghetti und Cola sind beliebt
Bevor ich am 26.03.2009 in der genannten Schule – hier ist mein Enkel Manuele in der 2. Klasse – einen Vortrag zu halten hatte, wollte ich wissen, was die 21 Schülerinnen und Schüler zum Frühstück, Mittagessen und Abendessen zu sich nehmen. Aber meine Neugier war noch nicht befriedigt. Ich war auch neugierig auf ihre Lieblingsspeisen und Lieblingsgetränke. Jeder erhielt einen Vordruck mit den Fragen. Alle beantworteten diese zur vollen Zufriedenheit des Referenten. Und dabei kam so manche Überraschung heraus.
 
Ich wertete die Essensgewohnheiten am Vortag meines Referates bereits aus. Hier die Ergebnisse:
 
Zum Frühstück wurden am liebsten Brot, Müesli, Haferflocken, Nutella, Cornflakes verzehrt. Nur 2 Schulkinder assen auch Joghurt. 4 Schulkinder verzichteten auf ein reichhaltiges Frühstück. Sie tranken entweder nur Kaba (3 Kinder) oder Tee (1 Kind).
 
Zu Mittag gab es Gemüse, Salat (9 Nennungen), Spaghetti und andere Nudeln (7), Fleisch (7), Kartoffeln (6), Bohnen und Kohl (2). Ein Zweitklässler musste sich mit Cornflakes begnügen, 3 erhielten nur eine Suppe und ein Mädchen bekam Griessschnitten vorgesetzt.
 
Am Abend kamen Brote (12) und Wurst (12), aber auch Käse (8), Joghurt (3), Tomaten, Gurken (3), Fisch (2) und Quark (1) auf den Tisch. Ein Mädchen musste Bohnen mit Knödel essen. Das war die Person, die kein warmes Mittagessen erhielt. Ein Schulkind wurde am Abend mit Obst und trockenem Brot abgespeist. Eine andere erhielt Brot mit Nutella.
 
Bei den Lieblingsspeisen waren die Spaghetti am beliebtesten, gefolgt von Gemüse und Salat, Lasagne, Fleisch und Pizza. Abgeschlagen rangierten Obst, Pommes, Pfannkuchen und Käse dahinter.
 
Überraschenderweise wurden als Lieblingsgetränke Wasser und Mineralwasser genannt (8 Nennungen), aber dahinter kamen schon die süssen Getränke wie Cola, Sprite. Beliebt ist auch Apfelsaft, Apfelsaftschorle, Tee und Kaba. Wenige Kinder haben eine Vorliebe für Kindersekt, Punica und ACE-Saft. Nur einer fiel aus der Rolle. Er bemerkte später in meinem Vortrag, dass er ab und zu auch Bier trinkt.
 
Das Regenrohr der Lehrerin
Ich habe mir gut überlegt, wie ich den Vortrag vor Kindern gestalten sollte. Nun, ich bereitete einige Folien vor und füllte einen Weidenkorb mit gesunden und ungesunden Nahrungsmitteln. Diese sollten die Kinder dann nach „sehr empfehlenswert“ (++), empfehlenswert (+) und nicht empfehlenswert (‒) sortieren. Auch besorgte ich schon Tage vorher eine BKK-Broschüre für die Eltern mit dem Titel „Gesunde Ernährung für Schulkinder“ (Schlagwort auf dem Titel: „Pausenbrot statt Pommes“).
 
Ich wurde von der Klassenlehrerin Regina Jandke und den Schülern sehr herzlich begrüsst. Um die anfängliche allgemeine Unruhe zu dämpfen, schwang Frau Jandke ein afrikanisches Regenrohr. Die Regenrohre waren zeremonielle Instrumente, um in Wüstenregionen den Regen herbeizurufen. Heute werden diese Rohre zur Meditation eingesetzt.
 
Die Rohre bestehen aus abgestorbenen Kaktuspflanzen. Die Stacheln werden nach innen des Stamms gedrückt, mit Linsen, Reis oder Kieselsteinen gefüllt und verschlossen. Beim Herumdrehen ertönt ein sanftes Regengeräusch. Dieses Geräusch beruhigt ungemein.
 
Da die Schulkinder der 2. Klasse in der vorangegangenen Stunde Sport hatten, forderte ich sie auf, die Getränke in den Trinkbehältern auf den Tisch zu stellen. Dann ging ich herum und besah mir die Getränke. Überraschenderweise hatten die meisten das richtige „Sportgetränk“, eine Apfelschorle oder Mineralwasser, dabei. Nur 2 stillten ihren Durst mit einem sehr süssen Getränk, das ich natürlich mit einem „nicht gut“ beurteilte.
 
Nach dieser Betrachtung führte ich ein Experiment durch. Eine verschmutzte 5-Cent-Münze legte ich in ein Glas Cola. Nach Ende meines Vortrages holte ich die Münze heraus. Alle staunten, da die vorher verschmutzte Münze nun blank war. Cola eignet sich also hervorragend zum Reinigen, weil das Getränk Phosphorsäure, Kohlensäure und Zitronensäure enthält. Die Säuren können aber auch zu Zahnschäden führen.
 
Dann sortierten die Schulkinder in Gruppen die mitgebrachten Nahrungsmittel. Auch hier staunte ich, mit welchem Gefühl die Heranwachsenden die Nahrungsmittel richtig sortierten. Nur 2 „nicht empfehlenswerte Nahrungsmittel“ – es waren eine Tomaten-Fertigsuppe (ohne Geschmacksverstärker!) und ein Brötchen dabei – wurden als gesund eingestuft.
 
36 Stück Würfelzucker im Cola
Ich erzählte den Kindern, dass Fertigjoghurts und viele Getränke eine Menge Zucker haben. Laut Hersteller enthält zum Beispiel Coca Cola 106 g Zucker in einem Liter. Damit die Kinder einmal sehen, wie viel das ist, liess ich 36 Stück Würfelzucker von einem Mädchen abzählen und auf ein Papier legen. Die Kinder waren über die Menge sehr erstaunt.. So mancher Erwachsener, der gedankenlos süsse Getränke schlürft, dürfte sich ebenfalls wundern. Die Zuckermenge enthält in etwa die Energiemenge, welche bei einem 50-minütigen Dauerlauf verbraucht wird.
 
Auch in Kellogg´s Corn Pops (170 g/500 g) und in Kellog´s Smacks (183,8 g/375 g) sind grosse Zuckermengen vorhanden. Aber auch in bestimmten Müesli-Sorten kann der Zuckergehalt erhöht sein.
 
Als Alternative zeigte ich den Kindern das „Vollwert-Müesli“ von Alfred Vogel (Firma Bioforce AG), das viel weniger Zucker enthält als die genannten Produkte. Das Müesli ist mit Milchzucker, Apfelflocken, Sultaninen und der Tropenfrucht Durian gesüsst.
 
Als Alternative für die zuckerreichen Fertigjoghurts (13-15 g/100g) empfahl ich den Schulkindern selbst hergestellten Fruchtjoghurt (Naturjoghurt plus Obststücke).
 
Auch die stark beworbenen und bei Kindern sehr beliebten Haselnuss-Schoko-Cremes sind sehr zucker- und fettreich. Der Nussanteil liegt bei solchen Produkten bei 13 % (Nutella). Auch hier gibt es gute Alternativen aus dem Reformhaus (mit einem Nussanteil von 45 %, Produkt enthält noch Vollrohrzucker, alle Bestandteile sind 100 % aus kontrolliert biologischem Anbau).
 
Tüte Chips versteckt
„Warum sind Kartoffelchips so ungesund?“ wollte ein Schüler wissen. Nun, ich erklärte ihm, dass in den Chips viel Fett, Aromastoffe und Geschmacksverstärker (meistens Mononatriumglutamat) sind. Die Geschmacksverstärker verleiten auch dazu, immer mehr zu essen. Konsumenten können gar nicht mehr aufhören. Da meldete sich ein Junge und erzählte folgende Geschichte: Wenn sich seine Eltern vor dem Fernseher gemütlich hinsetzen, knabbern sie oft ihre Chips. Eines Tages versteckte der Junge die Chipstüte. Die Eltern suchten dann so lange, bis sie die Tüte fanden. Dann assen und assen sie, und wollten gar nicht mehr aufhören. Nach relativ kurzer Zeit war die Tüte leer.
 
„Ist Brot mit Butter gesund?“ lautete die Frage eines anderen Schülers. Als ich dies bejahte, lehnte er sich beruhigt zurück. Ich sagte nur, dass Vollkornbrot besser sei als weisses oder halbweisses Brot.
 
Zahnschädigende Nahrungsmittel
„Was süss ist, klebt und gut schmeckt, ist meist schlecht für die Zähne.“ Dieser Ausspruch ist leider wahr. Auf einer Folie zeigte ich den Kindern die zahnschädigenden Nahrungsmittel. Hier eine kleine Auswahl: Bananen, Datteln, Feigen, Dörrobst, Konservenobst, Torten, Gebäck, Schlagsahne, Schokoladencreme, Schokolade, Bonbons, Gummibärchen, Eis, Brot mit Konfitüre, Ketchup, Cola, Fruchtsäfte.
 
Auf einer anderen Folie mit einem weinenden und lachenden Zahn durften die Kinder abwechselnd die Nahrungsmittel, die schlecht oder gut für die Zähne sind mit einem Filzstift verbinden. Das machte allen so richtig Spass.
 
Aufmerksam betrachteten die Schüler den „Ernährungskreis“. Unter dem Motto „So bleibe ich fit und gesund – gesunde Ernährung, eine runde Sache“ wurden die Nahrungsmittelgruppen dargestellt. Am meisten sollte man Getreide, Getreideprodukte und Kartoffeln essen, gefolgt von Gemüse und Hülsenfrüchten. Etwas weniger dürfen Obst und Getränke, Milch, Milchprodukte konsumiert werden. Mit Fleisch und Fisch, Fetten und Ölen sollte man sparsam umgehen.
 
Gemeinsam und regelmässig essen
Zum Schluss gab ich noch einige Ernährungsregeln bekannt. Wichtig für die Eltern ist, dass sie ihre Kinder abwechslungsreich ernähren. Die Nahrung sollte nicht zu viel Zucker enthalten. Kalorienarme Durstlöscher sind vorzuziehen. Das Kind und auch der Erwachsene sollten mehr Vollkornprodukte, Obst und Gemüse aufnehmen.
 
Ich betonte ausdrücklich, wie wichtig das Frühstück und das Pausenbrot ist. Diese halten die Kinder am Vormittag fit. Sie konzentrieren sich auch besser als solche, die kein Frühstück konsumieren.
 
Weitere Tipps: Gemeinsam und regelmässig essen, Ablenkungen vermeiden (z. B. kein Fernsehen beim Essen), Mahlzeiten ideal zusammenstellen (Pflanzenkost bevorzugen, tierische Lebensmittel in Massen auf den Tisch bringen). Diäten sind bei Kindern tabu, denn Kinder brauchen für ihr Wachstum eine ausgewogene Ernährung.
 
Ein kleines Fazit
„Das wird langweilig“, war die Äusserung eines Mädchens zu meinem Enkel, als sie gehört hatte, dass demnächst ein Vortrag über Ernährung gehalten werden sollte. Aber es kam alles anders. Sämtliche Schulkinder machten begeistert mit. Ich war total überrascht, wie wissbegierig und lebhaft diese Heranwachsenden waren. Sie streckten immer wieder eine Hand, wollten dieses oder jenes wissen und erzählten kleine Episoden über ihre Ernährung.
 
Wichtig ist noch dies: Eltern sollten auch in der Ernährung Vorbild für ihre Kinder sein. Sie sollen mit gutem Beispiel vorangehen und sich für eine gesunde Ernährung zum Wohle aller Familienmitglieder entscheiden.
 
Anhang: Vollkorn gut für Herz und Gefässe
Wer viele Vollkornprodukte verzehrt, tut seinem Körper etwas Gutes an. Nach den bisher vorliegenden Studien entfalten Vollkornprodukte folgende Effekte:
O antioxidativer Schutz,
O Senkung des „schädlichen“ LDL-Cholesterins,
O Senkung eines Bluthochdrucks,
O Verringerung des Risikos für Typ2-Diabetes,
O Vorbeugung von Übergewicht,
O Gefässschutz (Arteriosklerosevorbeugung, geringeres Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten),
O gesunde Darmflora durch Ballaststoffe (Nahrungsfasern),
O krebshemmender Effekt.
 
Quelle: Heinz Scholz: „Richtig gut einkaufen – Die moderne Lebensmittelkunde für den Alltag“, Verlag Textatelier.com GmbH, Biberstein, 2005.
 
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