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BLOG vom 02.03.2010


Hausmittel (III): Die Essigabreibung vertreibt die Müdigkeit
Autor: Heinz Scholz, Wissenschaftspublizist, Schopfheim D
 
„Der Essig ist sicherlich eines der ältesten Hausmittel, durch welchen unsere Vorfahren in hunderten Fällen sich zu helfen wussten“, schrieb Sebastian Kneipp, und Alfred Vogel vertrat die Auffassung, kalte Wadenwickel oder Essigsocken seien eine Wohltat bei Fieber und es werde nicht lange dauern, bis eine wesentliche Erleichterung eintritt, dass er schlafen kann. „Wie einfach ist die natürliche Lösung. Warum soll man denn unbedingt vor lauter Angst und Unkenntnis zu schädigenden Pillen greifen?“ Dies schrieb Alfred Vogel in seinem Buch „Der kleine Doktor“.
 
Bei Fieber erhielten wir Kinder von unseren Eltern immer wieder einen Essigwickel verpasst. Heute ist es leider so, dass viele junge Mütter bei fiebrigen Erkrankungen schnell zur fiebersenkenden Pille greifen und nur ab und zu einen kühlenden Wadenwickel anlegen.
 
Der kalte Essigwickel ist nicht nur hilfreich bei Fieber, sondern auch zur Juckreizstillung. Der Brustwickel nach Kneipp empfiehlt sich zur Stärkung der Atmungsorgane, zur Schmerzlinderung und zur Förderung der Schleimabsonderung.
 
Zur schonenden Fiebersenkung helfen die nasse Essigsocke, Kohl- und Quarkwickel, feuchtkalte Wadenwickel. Die Wadenwickel müssen alle 8 bis 10 Minuten erneuert werden – während ½ bis 1 Stunde – bis das Fieber um 1 °C gesunken ist.
 
Essig für Wickel: ¼ Essig wird mit ¾ Wasser verdünnt. Die Zusätze von Essig oder Zitronensaft unterstützen die kühlende Wirkung, sie sind jedoch nicht notwendig. Laut Wickelexpertin Maya Thüler senkt nur der korrekt angelegte Wadenwickel mit Tüchern oder Socken das Fieber.
 
Wer Socken bevorzugt, sollte Baumwollsocken mit Essigwasser tränken, leicht auswringen und dann anziehen. Wollsocken drüberziehen oder die Füsse mit einem Wolltuch einwickeln. Wenn mit den geschilderten Massnahmen keine Temperatursenkung erzielt wird, sollte man allenfalls eine Fachperson benachrichtigen.
 
Material für Wadenwickel mit Tüchern: 2 Baumwoll- oder Leinentücher (z. B. Handtücher), 2 Woll- oder Frottiertücher.
 
Wadenwickel mit Socken: 1 Paar Baumwollsocken, 1 Paar Wollsocken.
 
Sonstiges Material: 1 Schüssel kaltes oder temperiertes Wasser (z. B. 30 °C), eventuell Bettschutz (grosses Frottiertuch), eventuell etwas Essig oder Zitronensaft.
 
Essigsaure Tonerde bei Prellungen
An die Verwendung von essigsaurer Tonerde (1- bis 3%-ige Lösung von Aluminiumdiacetat, es ist ein Aluminiumsalz der Essigsäure) kann ich mich noch gut erinnern. Meine Grossmutter und auch meine Mutter wandten bei Prellungen, Quetschungen, Verstauchungen und Blutergüssen einen Wickel oder eine Auflage mit essigsaurer Tonerde an.
 
Die essigsaure Tonerde entfaltet eine desinfizierende, entzündungshemmende und adstringierende (zusammenziehende) Wirkung. Sie wird neben den erwähnten Beschwerden zum Imprägnieren von Baumwoll- oder Mischgewebe verwendet.
 
Eine Abreibung bei Müdigkeit
Es gibt Menschen, die nicht nur im Frühjahr mit Müdigkeit zu kämpfen haben, sondern zu jeder Jahreszeit. Da gibt es ein ganz einfaches Mittel, um die Müdigkeit zu vertreiben. Machen Sie doch eine Abreibung mit Essigwasser. Die auf Pastor Felke zurückgehende Methode wird wie folgt durchgeführt: Sie nehmen einen Liter Wasser und fügen 2 Esslöffel Wein- oder Apfelessig hinzu. Tränken Sie einen Waschlappen mit dem Essigwasser und reiben Sie Ihren Körper innerhalb einer Minute vom Gesicht ausgehend bis zu den Füssen hin ab. Sie können die Abreibung 3 bis 5 Mal am Tag praktizieren.
 
Essigbad für die Schönheit
Wer eine grossporige Haut hat, der kann ein Essigvollbad nehmen. Dazu genügt ½ Liter Essig für ein Vollbad. Wer eine zarte und geschmeidige Haut haben möchte, der wird ein Milchbad bevorzugen. Für jeden Hauttyp ist ein Milch-Honig-Bad und bei trockener Haut und Mischhaut ein Mandelmilch-Bad von Vorteil.
 
„Essig der 4 Diebe“
Die Pest forderte zwischen dem 14. und 18. Jahrhundert in Europa unglaublich viele Opfer. Ärzte schützten sich mit einer besonderen Schutzkleidung und einer Nasenmaske vor Ansteckung. In der schnabelartigen Nasenmaske waren Riechsubstanzen. Manche Ärzte hängten sich noch ein Stückchen Engelwurz am Band um den Hals.
 
Die Gesunden wagten es nicht, die Häuser von Pestkranken oder von Gestorbenen zu betreten. Laut einer überlieferten Geschichte, die man natürlich nicht mehr nachprüfen kann, liessen sich 4 Diebe nicht davon abhalten. Sie tränkten Tücher mit Essig und Extrakten und wickelten sie um den Kopf. Dann plünderten sie in Toulouse Wohnungen von Pestkranken aus und versuchten, mit der Beute zu verschwinden. Aber sie wurden gefasst. Damals wurde eine Plünderung mit dem Tode bestraft. Es wurde ihnen Strafmilderung versprochen, wenn sie das Rezept verraten würden. Sie hatten sich nämlich bei ihren Raubzügen nicht angesteckt. Das Rezept wurde dann preisgegeben. Von nun an hiess die Rezeptur „Essig der 4 Diebe“ oder „Essig der 4 Räuber“. Heute kursieren einige Rezepte im Internet unter diesem Namen. Welche die Originalrezeptur war, wird wohl nie entschlüsselt werden.
 
Rezept 1: 8 g getrocknete Absinthspitzen, 8 g getrocknete Rosmarinspitzen, 8 g getrocknete Salbeispitzen, 8 g getrocknete Minzespitzen, 8 g Lavendelblüten, 8 g Thymianblüten, 3 Gewürznelken, 1 g Knoblauch, 1 g gemahlener Zimt, 1 g Muskatnuss, 1 g Iriswurzelpulver, 500 g Weinessig, 16 g Essigsäure und 2 g Campher in Alkohol gelöst.
 
Zubereitung: Die Pflanzen werden in einem Mörser zerstossen und in eine Glasflasche gefüllt und mit dem Weinessig und der Essigsäure versetzt. Es wird am Anfang und während der Stehzeit umgerührt, nach 2 Wochen wird die alkoholische Campherlösung zugefügt. Das Gemisch wird in eine Flasche filtriert, diese verschlossen und etikettiert (www.mittgard.de).
 
Rezept 2: 1 Esslöffel getrocknete Lavendelblüten, Rosmarin, Salbei und Pfefferminze, 2‒3 Lorbeerblätter, 2 TL getrockneter Wermut, 2 TL Knoblauchgranulat, 1 TL gemahlene Nelken, 1 TL gemahlener Zimt, 600 ml Apfelessig. Die Zutaten werden in eine Flasche gefüllt, durchgeschüttelt, dann nach 10 Tagen durch einen Kaffeefilter filtrieren. Die Flasche gut verschliessen und kühl stellen (www.geli-makumba.de).
 
Rezept 3: 1 TL Lavendelblüten, 1 TL Thymian oder Quendel, 1 TL Salbei, 1 TL Rosenblüten, 1 TL Engelwurzel, 1 TL Rosmarin, 1 TL Bibernell, 1 TL Beifuss (http://72342.homepagemodules.de).
Zubereitung: wie vorher beschrieben.
 
Anwendung: Erkältungskrankheiten, Sodbrennen, Halsweh (gurgeln), 1‒2 TL in ein Glas Wasser geben und trinken oder gurgeln. Man kann auch die Mischung als Raumspraymittel verwenden.
 
Anmerkung: Wem die Zubereitung zu viel Mühe bereitet, kann auch ein Fertigprodukt kaufen (200 ml für 18 Euro!).
 
Essig in der TCM
In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) kommen verschiedene Essig zur Anwendung. „Essig konserviert die Kraft der Frucht aus der er erzeugt wurde (…) Essig wird in der TCM zur Erhaltung der Gesundheit verwendet. Sein leicht säuerlich bis bitterer Geschmack hilft im Magen und in der Leber den natürlichen Energiefluss (Qifluss) wieder herzustellen“, schreibt die Ernährungsberaterin nach der TCM, Eva Laspas. Sie betonte, dass Essig manchmal bei Verstopfung und bestimmten Schmerzen nützlich sei, die unter anderem von gestauten Qi (Energie) ausgelöst wurden. Äusserlich helfen Essigzubereitungen bei Muskelkater, Geschwüren und Schwellungen (allenfalls eine Heilperson zu Rate ziehen).
 
In der TCM kommen folgende Essige zur Anwendung: Apfelessig, Birnenessig, Karottenessig, Quittenessig. Eine gute Zusammenfassung finden Sie unter www.essig.at.
 
Schlank durch Apfelessig?
Der Apfelessig wird gnadenlos vermarktet. In vielen Büchern und Zeitungsartikeln wird der Apfelessig als Schlankmacher hoch gelobt. In der Tat gehen übergewichtige Verbraucher den Werbern gewaltig auf den Leim. Es sind oft Behauptungen, die wissenschaftlich nicht untermauert sind. Sehr richtig schrieb Bettina Ortkemper im „UGB-Forum“  1999-03 dies: „Die Annahme Apfelessig könne Körperfett schmelzen oder den Appetit zügeln, ist reine Illusion. Die Pfunde purzeln nur, wenn die Ernährung dem tatsächlichen Nährstoffbedarf angepasst und die körperliche Aktivität angekurbelt wird. Wer trotzdem Apfelessig zu sich nehmen möchte, kann dies in kleinen Mengen ohne Bedenken tun. Bekanntlich versetzt ja allein der Glaube Berge.“
 
Der Essig zügelt keineswegs den Appetit. Im Gegenteil, der Essig bringt schon in geringer Konzentration die Magensäfte zum Fliessen und dadurch eine Appetitsteigerung. Für Menschen, die unter einem Mangel an Magensäure leiden, kann der Apfelessig oder ein anderer Essig eine Wohltat sein. Der Essig verhindert ein Völlegefühl. Dies mache ich mir zunutze. Wenn ich einmal zuviel oder etwas schwer Verdauliches konsumiert habe, esse ich 1 oder 2 Essiggurken oder nehme 2 TL Apfelessig in einem halben Glas Wasser zu mir. Dann spüre ich schon nach kurzer Zeit eine Erleichterung im Magen. Das Völlegefühl wird reduziert. Man braucht also nicht immer einen Verdauungsschnaps!
 
Apfelessig enthält Mineralstoffe, Vitamine, sekundäre Pflanzenstoffe, lösliche Ballaststoffe und 5 % Essigsäure und einen geringer Anteil anderer organischen Säuren. Im nicht filtrierten Apfelessig sind die für die gesundheitliche Wirkung verantwortlichen Stoffe vermehrt enthalten. Der Essig sollte auch nicht erhitzt werden, da sonst einige Inhaltsstoffe kaputt gehen.
 
Hinweise für den Verbraucher: Wer Apfelessig kauft, sollte darauf achten, dass dieser in Bio-Qualität erzeugt wurde. Auch sollte der Essig aus dem Saft sonnengereifter Bio-Äpfel von Streuobstwiesen, naturvergoren und unfiltriert sein und keine Konservierungsstoffe enthalten. In unseren Reformhäusern gibt es ausgezeichnete Bio-Essige und Bio Balsamico-Essige (z. B. von Hensel). Angeboten wird auch eine fruchtig-scharfe Komposition, nämlich naturtrüber Apfelessig mit 5 % getrocknetem Bio-Ingwer. Eine Besonderheit stellt der Granatapfel-Balsamico dar. Dieser Balsamico enthält Weinessig und 30 % Granatapfelkonzentrat.
 
Hinweis auf Glanzpunkte-Artikel über Essig
 
Quellen im Internet
www.essig.at (Alles um den Essig; Essige in der TCM) (Alles um den Essig; Essige in der TCM)
www.ugb.de (Apfelessig: Zwischen Lebensmittel und Heilmittel) (Apfelessig: Zwischen Lebensmittel und Heilmittel)
 
Literatur
von Au, Franziska: „Hausrezepte“, Südwest Verlag, München 1997.
Scott, Cyril: „Für Deine Gesundheit – Apfelessig“, Verlag Otto Hasler, CH-8620 Wetzikon/Zürich 1980.
 
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