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BLOG vom 12.11.2010


Reaktionen auf Blogs (99): Südtiroler, Knebelverträge, Jäger
Präsentator der Leserpost: Walter Hess, Publizist, Biberstein AG/CH (Textatelier.com)
 
Ein Bericht zur gegenwärtigen Lage im Südtirol wurde erfreulicherweise von Ernst Bohrens Blog Corporate Identity 1: Sind Namen nur Schall und Rauch? vom 25.10.2010 ausgelöst, weil ein Bericht über die Fahrt durch die nördlichste Provinz Italiens die Darstellung der Kraft von Namen einleitete. Sprachunterschiede und sogar -verbote leisteten seinerzeit ihren markanten Beitrag an die Unruhen im Zusammenhang mit der Abtrennung des Südtirols von Österreich als Folge des 2. Weltkriegs. Inzwischen hat sich die Lage beruhigt, wie einem Bericht von Heinrich Abraham (E-Mail: heinrich.abraham@rolmail.net) zu entnehmen ist, der aus eigenem familiärem Erleben heraus schreibt:
 
Der Autor Ernst Bohren, der den erwähnten Artikel geschrieben hat, hat sich bestens informiert. Als Südtiroler kann ich alles nur bestätigen. Ein Kompliment!
 
Meine Mutter hat den Faschismus voll und ganz erlebt und musste den Schulunterricht in italienischer Sprache besuchen. Trotz allem, Aberkennung des Deutschtums, des Tirolerseins, Aufzwingen der italienischen Kultur u. v. m., hat sie nie Hass gegenüber der italienischen Volksgruppe gezeigt. Sie lehrte uns über diese für sie so schwierige Zeit und erzog uns für ein friedliches Zusammenleben mit den Italienern in Südtirol.
 
Ich selbst war in der Gemeindepolitik als Stadtrat in einer Kleinstadt, wo die der italienische Volksanteil 70 % betrug, tätig. Meine politische Tätigkeit hatte somit grösstenteils mit Italienern zu tun, wobei ich mich immer ganz offen für ein gemeinsames Zusammenleben einsetzte. Man muss die Vergangenheit nicht immer aufs Neue herausziehen und ständig die Leidenszeiten unter dem Faschismus anprangern. Es waren schwere Zeiten für Südtirol!
 
Ich schaue in die Zukunft Europas, keine Grenzen und doch Grenzen in unserem Innerem. Wir brauchen in Südtirol keine Selbstbestimmung oder einen Freistaat; es wäre absurd, heute noch danach zu schreien. Wir haben die Autonomie. Unsere Politiker haben sehr viel erreicht. Südtirol steht heute gefestigt da, und viele andere Minderheiten in der Welt schauen auf unser Land.
 
Die doppelsprachigen Ortsnamenbezeichnungen stören mich nicht , sofern sie nicht falsch übersetzt sind. Es leben 3 Sprachgruppen in unserem Land, deren Ziel es sein sollte, auf ein friedliches Zusammenzuleben hinzuarbeiten. Dies kann niemals von politischen Fundamentalisten, egal welcher Sprachgruppe sie angehören, gestört, bzw. verhindert werden. Ich bekenne mich ganz klar als italienischer Staatsbürger,der der deutschen Sprachgruppe in unserem Land angehört.
 
Heinrich Abrahm
 
Die Treibjäger
Das Blog über die Treibjagdgegner im Aargau und die medialen Totschweiger vom 01.11.2010 kam gut an, die Treibjagd, die mit Tierquälerei gleichgesetzt wird, weniger. Lislott Pfaff aus Liestal (E-Mail: summervogel@eblcom.ch) liess sich so verlauten:
 
Lieber Walter,
Vielen Dank für Dein Blog zur Anti-Treibjagd-Initiative im Aargau. Hoffentlich wird sie angenommen; dies wäre das Mindeste, was in der ganzen erbärmlichen Jagdszene verboten werden müsste. Toll, dass Du trotz Deiner vielen übrigen Aktivitäten im Initiativkomitee mitmachst!
 
Übrigens kenne ich Annemarie Haller aus Brittnau AG, die ebenfalls im Initiativkomitee mitmacht, persönlich. Sie ist nicht nur aktive Tierschützerin und nimmt heimatlose Tiere – vor allem Hunde – bei sich auf und sucht neue Plätze für sie, sondern sie vertritt in der Schweiz auch den Tierschutzverein Djurdjevo (Serbien) (www.tierschutz-djurdjevo.ch), der von der Schweizerin Monika Brukner geleitet wird. Ich hege eine grosse Bewunderung für diese Frau, die nun seit rund 30 Jahren Tierschutz betreibt in einem Land, das politisch und sozial sicher enorme Probleme hat und wo Tiere noch weniger gut geschützt werden können als bei uns. Aber Frau Brukner hat mit ihren unermüdlichen Bemühungen Erfolg. Sie tritt auch am serbischen Fernsehen auf, um die Bevölkerung auf den Tierschutzgedanken aufmerksam zu machen, und bringt an den Schulen den Kindern bei, was die Rechte der Tiere beinhalten, d. h. wie man Tiere artgerecht halten sollte.
 
Frau Brukner, von Beruf Archäologin, reiste ursprünglich mit ihrem Mann wegen eines archäologischen Projekts nach dem damaligen Jugoslawien und war so beeindruckt vom Tierelend, das sie dort antraf, dass sie ihren Beruf an den Nagel hängte und zusammen mit ihrem (inzwischen verstorbenen) Mann zuerst ein Tierheim aufbaute, den Verein gründete und dann ihre Aktivitäten immer mehr ausdehnte. Heute ist sie mit ihrer Organisation in Serbien eine bekannte Persönlichkeit, die auch auf die zuständigen Behörden einen gewissen Einfluss ausüben kann.
 
Lislott Pfaff
 
Heinz Scholz aus Schopfheim D (E-Mail: heinz-scholz@online.de) hat ebenfalls nichts für die jagdliche Sonderform übrig:
 
Die Treibjagd wird ja nur zur Befriedigung der Jäger veranstaltet. Die Trophäenwut der Abschiesswütigen ist immer noch grenzenlos.
 
Vor einiger Zeit hat bei uns in der Gegend von Rheinfelden D ein leidenschaftlicher Jäger einen Treiber, der aus einem Maisfeld kam, erschossen. Er glaubte eine Wildsau vor sich zu haben. Als ihm bewusst wurde, was er angerichtet hatte, erschoss er sich später. Es wurde nicht bekannt, ob die schlauen Wildsäue mehr Glück hatten.
 
Die Knebelverträge
Im Blog Kostspieliger Sunrise, der während Monaten Schatten wirft vom 15.10.2010 hatte ich mich darüber aufgehalten, wie die Sunrise mit Knebelverträgen ihre Kunden bei der Stange hält: Die Verträge werden automatisch um 1 Jahr verlängert, wenn sie nicht 2 Monate vor Ablauf gekündigt werden. Ich hatte auf einen anderen Anbieter umgestellt, die Kündigung um ein paar Tage verpasst und hätte also fast 14 Monate lang weiterzahlen müssen. Da schien es mir an Kulanz zu fehlen. Doch am 26.10.2010 rief mich der Koordinator Mohamed Taga von Sunrise an, nachdem ich zuvor von einer anderen Sprecherin salopp abgefertigt worden war. Herr Taga sagte, die Sunrise sei kulant, beende einen Vertrag sofort, und am Tage darauf hatte ich die Kündigungsbestätigung. Somit kann ich diesen gütlich geregelten Fall zu den Akten legen.
 
Das Problem mit den Knebelverträgen besteht generell in vielen Branchen und Ländern, wie aus einer Zuschrift von Heinz Scholz hervorgeht:
 
Auch bei uns in Deutschland sichern sich Telefonanbieter mit 1- oder 2-Jahres-Verträgen ab. Da muss man rechtzeitig kündigen. Das beachten viele nicht. Auch ich finde dieses Geschäftsgebaren sittenwidrig. Besonders mit Versicherungen hat man auch so seine negativen Erfahrungen gemacht. Da gelten oft 5- oder 10-jährige Laufzeiten. Man kann dann nicht so ohne weiteres den Vertrag kündigen, wenn man eine andere Versicherung abschliessen möchte.
 
Martin Eitel aus Berlin (E-Mail: m.eitel@gmx.net) lieferte ein konkretes Beispiel dazu und schlägt dann den Bogen zu modernen Finanzierungsmodellen:
 
Ähnliche Erfahrungen mit Finanzinvestoren wie Sunrise Communications AG hat auch die Friedrich Grohe AG, eine der Weltmarktführerinnen für Sanitärarmaturen, gemacht. Die Übernahme der Friedrich Grohe AG ist ein Lehrstück für ein solches Finanzierungsmodell. Sie muss ebenfalls einen grossen Teil des Betriebsergebnisses (bis zu 75 %) für die Zinsen aus dem Kredit zahlen, den die Finanzinvestoren für die Übernahme aufgenommen und dem übernommenen Unternehmen aufgedrückt haben.
 
Das weit verbreitete Finanzierungsmodell beim Einstieg von Finanzinvestoren ist dadurch gekennzeichnet, dass die Finanzinvestoren aus eigenen Mitteln nur einen geringen Teil des Kaufpreises zahlen und den ganz überwiegenden Teil mit Krediten finanzieren, die dann dem gekauften Unternehmen aufgedrückt werden. In der Folge muss das gekaufte Unternehmen dann über einen langen Zeitraum einen grossen Teil des Betriebsergebnisses als Zinsbelastung an die Kreditgeber abzahlen.
 
Der Hintergrund für die Zunahme solcher Finanzierungsmodelle dürfte vor allem die unseriöse Geldpolitik mancher Notenbanken sein, die den Markt nicht nur mit grossen Mengen frisch gedruckten Geldes überschwemmen, sondern auch noch zu niedrige Leitzinsen festlegen. Es ist klar, dass eine solche völlig unseriöse Finanzpolitik solche Übernahmen mit wenig oder fast ohne Eigenkapital massiv fördert. Eine solche Finanzpolitik hat mit einer Marktwirtschaft wenig gemeinsam. Sie führt durch den zu niedrigen Zins zu dem berüchtigten Casino-Kapitalismus und zu immer neuen Blasen. Anhänger einer wirklichen Marktwirtschaft wie die Vertreter der österreichischen Schule der Nationalökonomie (z. B. Friedrich August von Hayek, Ludwig von Mises) haben daher immer den Zins als wichtigen Faktor betont und zutreffend darauf hingewiesen, dass durch unkontrolliertes Geldwachstum Kredite mit künstlich niedrigen Zinsraten entstehen. Diese Art von Geldpolitik der Zentralbanken bedeutet im Ergebnis eine versteckte Subvention. Die Lenkungsfunktion des Preises für Geld (Zins) ist nicht mehr vorhanden, wenn die Notenbanken den Markt mit grossen Mengen frisch gedruckten Geldes überschwemmen und Zentralbankgeld praktisch wie aktuell in den USA zu einem Zins zwischen 0 und 0,25 % zu haben ist.
 
 
Martin Eitel
 
Soweit die bemerkenswerte, geradezu prophetische Zuschrift aus Berlin. Sie ist am 03.11.2010 gerade wieder bestätigt worden: Die US-Notenbank hatte ihr Konjunkturprogramm noch einmal ausgeweitet. Sie gab bekannt, bis Juni 2011 für weitere 600 Milliarden Dollar Staatsanleihen aufkaufen zu wollen. Dadurch solle zum einen die Wirtschaft angekurbelt und zum anderen die Arbeitslosigkeit reduziert werden. Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble bezeichnete die Massnahme als „trostlos“. Auch dieser letzte Griff in die fast leere US-Trickkiste wird die US-Wirtschaft nicht ankurbeln. Es ist dieselbe Förderung von Schuldenblasen wie gehabt, doch die Amerikaner haben erfahren, in welches Elend sie die massive Privatverschuldung treibt, und sie haben zu sparen begonnen. „Es reicht nicht, allein das Wasser hinzustellen. Die Pferde müssen auch saufen“, kommentierte der deutsche Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle bildkräftig. Man möchte beifügen, dass Wasser allein kein Pferd auf Trab bringt. Jedermann weiss, dass neben der lähmenden Verschuldung der öffentlichen und privaten Hände vor allem strukturelle Missstände den Koloss erwürgen. Die heiss laufende Geldpresse überdeckt solche grundlegenden Probleme bestenfalls.
 
Pflegebedürftige Mütter
Kehren wir aus der grossen Welt- und Wirtschaftspolitik in den häuslichen Bereich zurück. Zu meinem Blog Erinnerungen an eine Mutter, die heute 100 geworden wäre vom 18.10.2010 steuerte Heinz Scholz eigene Beobachtungen bei:
 
In meinem Bekanntenkreis kenne ich diesbezüglich einige Fälle. Zunächst wurde zu Hause gepflegt, dann, wenn es nicht mehr anders ging, wurde die Betagte in ein Heim mit Vollpflege überwiesen. Im einen Fall stürzte die Mutter immer oder wanderte in der Nacht herum. Im anderen Fall konnte ein älterer Mann nicht mehr seine Frau, die einen Schlaganfall erlitten hatte, pflegen. Es kam täglich der Pflegedienst, aber letzten Endes konnte er dies nicht mehr nervlich aushalten.
 
Hier einige Zitate über Mütter:
 
„Was Ihr euch, Gelehrte, für Geld nicht erwerbt. Das hab’ ich von meiner Frau Mutter geerbt.“
(Gottfried August Bürger, Der Kaiser und der Abt)
*
„Was der Mutter ans Herz geht, das geht dem Vater nur an die Knie.“
(Sprichwort)
*
„Das Mutterherz ist der schönste und unverlierbare Platz des Sohnes, selbst wenn er schon graue Haare trägt. Und jeder hat im ganzen Weltall nur ein einziges solches Herz.“
(Adalbert Stifter)
*
„Was man von der Mutter hat, das sitzt fest und lässt sich nicht ausreden.“
(Wilhelm Raabe)
*
„Die Mutter liebt die Kinder mehr als der Vater; denn sie weiss, dass es ihre Kinder sind. Dieser glaubt es nur.“
(Menander)
*
„Soviel es weisse Krähen gibt, soviel gibt es gute Stiefmütter.“
(Aus Jugoslawien)
*
„Eine brave Mutter gibt ihrem Stiefkinde ein gleich grosses Stück Kuchen wie ihrem eigenen Kinde. Aber sie gibt es auf eine andere Art.“
(Ludwig Börne)
 
Preis für längst Bekanntes
Im Nachgang zu den Blogs über Thilo Sarrazins und sein Buch vom 02.09.2010 und 09.10.2010 und insbesondere über den Einfluss der Gene auf das Sozialverhalten sandte uns Manfred Hesse (E-Mail: mhesse@hispeed.ch) eine Pressemitteilung über den Jacobs-Forschungspreis 2010:
 
„Gene und persönliche Erfahrungen beeinflussen die individuelle Entwicklung des Menschen. Das Forscherehepaar Terrie Moffitt und Avshalom Caspi, die beide an der Duke University in Durham und am King's College in London arbeiten, erbrachte konkrete Hinweise, wie dieses Wechselspiel die psychische Entwicklung und das soziale Verhalten von Jugendlichen prägt. Für ihre Forschungsarbeit wurden sie nun mit dem Klaus-J.-Jacobs-Forschungspreis 2010 ausgezeichnet, der mit 1 Million CHF dotiert ist.
 
Eine ihrer wichtigsten Studien erschien im Jahr 2002 in der Zeitschrift ,Science’. Sie zeigte einen Zusammenhang zwischen Misshandlungen in der Kindheit, einer bestimmten Genvariante eines Moleküls, das im Serotonin-Stoffwechsel im Gehirn eine Rolle spielt (Monoaminooxidase A), und asozialem Verhalten. Weder eine Misshandlung noch die genetische Auffälligkeit allein erhöhten die Wahrscheinlichkeit, dass Jugendliche durch asoziales Verhalten auffielen. Waren jedoch beide Umstände gegeben, war das Risiko gross, dass sie kriminell oder sozial auffällig wurden.
 
Einen ähnlichen Zusammenhang fanden Moffitt und Caspi für ein anderes Gen, schwierige Kindheitserlebnisse und Depression. Die Forscher schliessen daraus, dass einige Genvarianten in Kombination mit prägenden Erlebnissen die Entstehung bestimmter Verhaltensweisen begünstigen. Diese und andere ihrer Forschungsergebnisse wirken sich laut einer Pressemitteilung der Jacobs-Stiftung auf den Umgang mit straffälligen Jugendlichen aus.“
 
Soweit der Medientext. Manfred Hesses Gedanken dazu:
 
Eigentlich nichts Neues, der Zusammenhang zwischen Erbanlagen einerseits und der Prägung durch Erziehung und sozialem Umfeld ist doch seit Jahrzehnten bekannt.
 
Nun wird sogar noch ein Jacobspreis für längst Bekanntes vergeben ...
 
Der nach wie vor aktuelle Sarazzin lässt grüssen, auch wenn dumme Politiker u. a. um der Stimmen oder Michael Friedman etc. willen ... dies nicht wahrhaben wollen.
 
Gruess
Manfred Hesse
 
Hinweis auf die bisher erschienenen „Reaktionen auf Blogs“
28.10.2010: Reaktionen auf Blogs (98): Unterwegs zum Arzneimittelfrass
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