Startseite 
Kontakt  °  Inhaltsübersicht  
Seite weiterempfehlen
     22. Januar 2018, 05:29 Uhr
 


Schlossportal
 Kundeneingang

 
 
BLOGs nach Datum sortiert Alle BLOGS zum Zurückblättern
BLOG vom 16.12.2011


Gesunde Augen im Alter durch ausreichende Mikronährstoffe
Autor: Heinz Scholz, Wissenschaftspublizist, Schopfheim D
 
„Eine ausgewogene, nährstoffreiche Ernährung ist notwendig, um die Augengesundheit zu erhalten und das Risiko für altersbedingte Augenkrankheiten zu verringern.“ So lautet das Fazit von Ernährungsexperten in einem internationalen Seminar. Grundlagen für diese Behauptung sind Studien der letzten Jahre, die interessante Ergebnisse brachten. So spielt ein Mangel an antioxidativ wirkenden Vitaminen (C, E) und Karotinoiden bei der Entstehung des Grauen Stars (Katarakt) und altersbedingter Makuladegeneration eine entscheidende Rolle.
 
Experten empfehlen, mehrmals täglich Obst und Gemüse zu verzehren. Diese Produkte sind reich an Antioxidantien. Auch die in Präparaten vorliegenden antioxidativen Vitamine sind als Ergänzung durchaus angebracht, besonders für diejenigen, die oft UV-Strahlen ausgesetzt sind, wie dies am Arbeitsplatz oder im Urlaub (Hochgebirge oder am Strand) der Fall ist. Antioxidantien wirken nämlich als Radikalenfänger. Sie schützen Bausteine der Zelle vor den Attacken der Freien Radikale. Diese entstehen nicht nur durch UV-Strahlung, sondern laufend im Stoffwechsel, aber auch durch bestimmte Medikamente, Ozon, Stickoxide und Zigarettenrauch. Wichtig ist, dass man nicht erst im Alter, sondern schon ab 30 oder 40 Jahren ausreichend Antioxidantien zuführt, um eine Dysbalance zwischen vorhandenen „Schutzstoffen“ und Radikalenbelastung zu vermeiden.
 
Zu den Schutzstoffen zählen nicht nur die erwähnten Vitamine und Karotinoide, sondern auch Omega-3-Fettsäuren, Flavonoide, Anthocyane, Zink und Selen. Die wichtigsten Stoffe sind in der Tabelle aufgeführt.
 
Keine trüben Augenlinsen
Ein Grauer Star (Katarakt) liegt vor, wenn sich die ehemals klare Augenlinse eintrübt. Der Betroffene sieht dann Gegenstände wie durch einen leichten Schleier, der später immer dichter wird. Der Katarakt ist altersbedingt. Die Eintrübung hängt mit dem verlangsamten Stoffwechsel zusammen (= Altersstar) und tritt meistens jenseits des 60. Lebensjahres auf.
 
Wie wird der Graue Star behandelt? Wie der Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e. V. mitteilt, helfen Augentropfen nicht gegen den Grauen Star. Eine Operation dagegen führt zum Erfolg. 90 % der 400 000 jährlich in Deutschland Operierten sehen nach dem Eingriff wesentlich besser. Wann eine Staroperation notwendig ist, entscheidet der Patient in Absprache mit dem Augenarzt.
 
Da ein bestehender Grauer Star nicht mit Vitalstoffen und Medikamenten beeinflussbar ist, kommt der Vorbeugung eine bedeutende Rolle zu, wie Studien beweisen. Hier eine wichtige Untersuchung aus den USA: Unter der Schlagzeile „Vitamin-C-Pillen halten die Augenlinse klar“ berichtete die „Ärztliche Praxis“ euphorisch über die US-amerikanische Nurses Health Study. An dieser Studie nahmen 120 000 Krankenschwestern teil, die zu gesundheitlichen Themen Rede und Antwort standen. Unter die Lupe genommen wurde auch ein möglicher Zusammenhang mit der Aufnahme von Vitamin C und Trübung der Augenlinse. Das Ergebnis war überraschend: Bei Frauen, die mindestens 10 Jahre etwa 400 mg Vitamin C täglich zuführten, sank das Risiko für beginnende Trübungen um 77 %, dasjenige für fortgeschrittene um 83 %. Die Langzeiteinnahme ist offenbar das Entscheidende.
 
Eine weitere Untersuchung ergab, dass offenbar die Kombination Vitamin E und C vor der Entstehung der Alzheimer-Krankheit und Grauen Star schützen. Hier gibt es eindeutige Hinweise auf Vitamin E als Schutzfaktor, wie der „Arbeitskreis Ernährungs- und Vitamin-Information“ in einer Presseinformation vom Mai 2002 berichtete.
 
Netzhauterkrankungen verhindern
Bei der altersabhängigen Makuladegeneration (AMD), die hier besprochen wird, geht die zentrale Sehschärfe eines Auges verloren. Die Makula, auch „gelber Fleck“ genannt, ist ein Teil der Netzhaut und nur wenige Quadratmillimeter gross. In diesem Fleck sind 90 % der Sehschärfe versammelt. Die AMD trifft insbesondere Menschen ab 50 Jahren. Die Erkrankung beginnt schleichend, deshalb ist eine Früherkennung sehr wichtig. Der Augenarzt kann eine AMD durch 3 Methoden feststellen: Untersuchung der Makula mit einem Augenspiegel, Untersuchung mit dem Amsler-Netz und Farbstoffuntersuchungen (Fluoreszenzangiographie).
 
Ursachen einer Makuladegeneration sind Alterungsprozesse, ein verlangsamter Stoffwechsel und aggressive Sauerstoffradikale, während genetische Faktoren wahrscheinlich für den Zeitpunkt des Auftretens dieser Erkrankung verantwortlich sind.
 
Noch einige Fakten zur Makula. Obwohl diese keine Blutgefässe aufweist, herrscht in ihr ein reger Stoffwechsel. Die Abbauprodukte werden durch die darunter liegenden Gewebeschicht (Pigmentepithel) entsorgt. Dieser Vorgang ist im Alter gestört. Es bilden sich Ablagerungen an und auf der Makula. Die Betroffenen können einen Gegenstand nicht mehr direkt betrachten. Sie erkennen beispielsweise eine Uhr, jedoch wird der Zeiger verschwommen gesehen. Blicken die Patienten auf ein kariertes Muster, dann sehen sie verzogene oder unterbrochene Linien und Kanten. In Deutschland leiden 1 bis 2 Millionen unter dieser Krankheit. Wie die „Deutsche Seniorenliga“ bekannt gab, leiden 20 % der 65- bis 74-Jährigen und 35 Prozent der 75- bis 84-Jährigen unter AMD. Bei etwa 10 % der Patienten kommt es im weiteren Verlauf der Krankheit zu Gefässveränderungen und Gefässneubildungen im Bereich der Netzhaut.
 
Der Augenarzt unterscheidet übrigens die „trockene“ Form, die häufiger beobachtet wird, von der „feuchten“ Form. Bei der zuerst genannten Form sind bei der Augenhintergrund-Untersuchung kleine gelbliche Ablagerungen (Drusen) unter der Netzhaut zu sehen. Das Sehen ist geringfügig eingeschränkt. Im Spätstadium dieser Krankheit gehen aber auch Sinneszellen zugrunde. Bei der „feuchten“ Form sind nur bei einigen Patienten Drusen zu sehen. Besonders gravierend ist das Einwachsen von Blutgefässen in die Makula. Die von den Gefässen abgegebene Flüssigkeit dringt in die Netzhaut ein, die anschwillt. Als Folge dieses Prozesses kommt es zu einer Verschlechterung der Sehleistung.
 
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es? Hier die Antwort des Berufsverbands der Augenärzte Deutschlands e.V.: „Für die ,trockene’ AMD steht bisher keine wirksame Behandlung zur Verfügung. Es gibt auch keinen Nachweis für eine positive Wirkung von Vitaminpräparaten. In früheren Stadien der ,feuchten’ AMD kann eine Behandlung mit dem Laserstrahl sinnvoll sein.“ Es gibt jedoch interessante Behandlungsansätze, die zurzeit noch in der klinischen Erprobung sind. Zu diesen neuen Verfahren gehören die Strahlentherapie, Wachstumshemmer, die das Einspriessen von Gefässen verhindern, chirurgische Entfernung von Gefässen und Blutungen und operative Drehung der Netzhaut. Eine Heilung ist bis jetzt mit keiner der erwähnten Methoden möglich. Versuche mit künstlicher, elektronischer Netzhaut (Netzhaut-Prothese) sind zurzeit im Gange. Eine Anwendung am menschlichen Auge ist, wie Augenärzte betonen, noch nicht möglich.
 
Schützen, vorbeugen, verzögern
Schützen, vorbeugen, verzögern − das sollte die Devise auch bei der AMD sein. Makuladegenerationen lassen sich laut einer neuen Studie mit Karotinoiden verhindern. Diese Stoffe haben offenbar eine Schutzfunktion für die Netzhaut. Die besten Ergebnisse wurden mit den Karotinoiden Lutein und Zeaxanthin erzielt. Diese Stoffe finden sich in dunkelgrünen Blattgemüsen wie Spinat, Wirsing, Grünkohl, Petersilie, Brokkoli und grünen Erbsen. Durch Gabe von Karotinoiden erhöhte sich die Dichte des „Makula-Pigments“. Dieses in der Netzhaut befindliche Pigment besteht aus den Lichtfiltern Lutein und Zeaxanthin.
 
Dr. Joanne Curran-Celentano, Professorin für Ernährungswissenschaften, empfiehlt den Verzehr von Obst und Gemüse, die viel Karotinoide enthalten. Denn je mehr von diesen Nahrungsmitteln verzehrt wird, desto geringer ist das Risiko, an einer Makuladegeneration zu erkranken.
 
Die erwähnten Karotinoide schützen die Augen auch vor durch die Sonne hervorgerufenen Schädigungen. Dies ist besonders wichtig für Menschen mit hellen Augen. Die Einnahme dieser Stoffe ersetzt jedoch auf keinen Fall eine gute Sonnenbrille (besonders bei Aufenthalten im Hochgebirge und am Strand).
 
Kombination wirksam bei AMD?
Der Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e.V. (BVA) berichtete von einer prospektiven, doppelt-verblindeten, multizentrischen Studie (AREDS Report Nr.8) mit einer Kombination von hochdosierten antioxidativen Vitaminen C, E, dem Provitamin Beta-Karotin, Zink und Kupfer auf die Entwicklung einer fortgeschrittenen AMD. Ergebnis: Nach einer Beobachtungszeit von 6 Jahren verringerte sich das Risiko für einen Übergang in eine fortgeschrittene AMD gegenüber unbehandeltem Verlauf um 25 %. Die Ergebnisse beziehen sich ausschliesslich auf die in dieser Studie angewandten Dosierungen. Für Raucher ist übrigens Beta-Karotin in höheren Dosen kontraindiziert! Auch wurde die Kombination auf die therapeutische Wirksamkeit auf Spätformen der AMD nicht untersucht.
 
Der Berufsverband weist auch darauf hin, dass ein positiver Einfluss von Ginkgo biloba-Extrakten bei einer fortgeschrittenen AMD bisher wissenschaftlich nicht erwiesen ist.
 
Besseres Sehen durch Heidelbeeren?
Über eine interessante Anwendung berichtet Prof. Dietrich Frohne aus Kiel: Bevor britische Bomberpiloten ihre Nachteinsätze flogen, assen sie reichlich Heidelbeerkonfitüre. Sie konnten dann angeblich besser sehen. Diese Wirkung wurde lange Zeit angezweifelt. Die Zweifler wurden jedoch eines Besseren belehrt. Forscher brachten heraus, dass die Heidelbeerfarbstoffe tatsächlich eine günstige Wirkung auf die Nachtsehleistung haben. Im Reformhaus gibt es einige sehr gute Präparate für gesunde Augen und starke Sehkraft. Genannt sei beispielsweise ein solches, das natürliches Lutein, konzentrierten Heidelbeerextrakt, Omega-3-Fettsäuren, Vitamine und Spurenelemente (Selen, Zink) enthält. Der im Heidelbeerextrakt befindliche blaue Farbstoff (Anthocyan) verbessert den Blutfluss in den feinsten Gefässen der Augen.
 
Fazit
Es gibt also einige Vitamine, Mineralstoffe und bioaktive Substanzen, die für die Gesundheit unseres Sehorgans von eminenter Bedeutung sind. Mangel an diesen Stoffen begünstigen Augenleiden. Gravierende Augenkrankheiten sehen wir in den Hungergebieten dieser Erde. Aber auch in Ländern des Überflusses kann sich ein Mangel, der das Auge schädigt, ausbreiten. Eine Minderversorgung mit essenziellen Nährstoffen wird begünstigt durch eine einseitige Ernährung, unsinnige Diäten und hohem Alkoholkonsum.
 
Anhang
Tabelle „Schutzstoffe für die Augen"
 
„Schutzstoffe“
Funktion, Mangelzustände
Vorkommen
 
 
 
Vitamin A, Beta-Karotin
Wichtig für die Sehkraft, insbesondere Nachtsichtigkeit; Mangel führt zu Nachtblindheit, Blendempfindlichkeit, Hornhautveränderungen, Austrocknen der Augenbindehaut, angeschwollene Lider, Grauer Star, altersbedingte Makuladegeneration (AMD)
Vitamin A: Lebertran, Leber, Eier, Fische, Käse.
Beta-Karotin: Tomaten, grüne und rote Paprika, Spinat, farbige Gemüsesorten, Petersilie, getrocknete Aprikosen, Kresse
Vitamin E
Schützt als Antioxidans Zellmembranen (fängt freie Radikale ab). Freie Radikale spielen bei der Entstehung des Grauen Stars, der Arteriosklerose und bei Krebs-erkrankungen eine Rolle.
Weizenkeime und Keimöle, Nüsse, Eigelb, grünes Blattgemüse
Vitamin C
Antioxidans, beugt dem Grauen Star vor; senkt Augeninnendruck bei Glaukom-Patienten
Acerola, Hagebutte, Sanddornbeeren, Johannisbeeren, Kiwis, Petersilie, Brokkoli, Paprika, Grünkohl
Vitamin B2
Bei Mangel entsteht ein „Fremdkörpergefühl“, eventuell kommt es zur Linsentrübung oder zur Glaskörpertrübung
Bierhefe, Vollkorn, Milch, Sojabohnen, Weizenkeime, grünes Gemüse, Hülsenfrüchte, Käse, Leber, Niere
Lutein und Zeaxanthin (sind Karotinoide)
Verringern das Risiko der altersbedingten Makula-degeneration, schützen die Augen vor Schädigungen durch Sonneneinstrahlung
Brokkoli, Mais, Spinat, Kürbis, Erbsen, grünes Blattgemüse, Karotten, Pflaumen, Orangen, Kiwis
Docosahexaensäure (= Omega-3-Fettsäure)
Mangel bewirkt eine Verringerung der Sehschärfe und Dunkelanpassung des Auges
Seefische, Lebertran
Polyphenole (z.B. Flavonoide, Anthocyane)
Antioxidativ wirksam.
Verbesserung der Nachtseh-
Leistung (Heidelbeerfarbstoffe)
Rote Trauben, Rotwein, roter Traubensaft, Zitrusfrüchte, Gemüsearten
Zink, Selen
Für den Aufbau antioxidativer Enzyme wichtig. Die Kombi-
nation Zink, Vitamin C, E, Beta-Karotin wirkt auf die Entwicklung einer fortgeschrittenen AMD ein.
Selen: Hülsenfrüchte, Sojabohnen, selenreiche Getreidesorten, selenreiches Brot, Fische, Innereien, Fleisch.
Zink: Hefe, Keime, Nüsse, Getreide, Austern, Innereien
 
Internet
 
Literatur
Busse, Wolfgang; Scholz, Heinz: „Das ABC der Vitalstoffe“, Haut Verlag, Heidelberg 2001.
Scholz, Heinz: „Mineralstoffe + Spurenelemente“, Trias Verlag, Stuttgart 1996.
Scholz, Heinz: „Gesunde Augen durch Antioxidantien“, „Kneipp-Journal“, 2009-10.
Scholz, Heinz: „Mikronährstoffe für unser Augen“, „Reform-Rundschau“, 2010-01. 
 
Hinweis auf weitere Blogs über Auge und Sehen

Ihre Meinung dazu?

 
Nach oben  
Alle Blogs
Liste der bisher erschienenen Tagebuchblätter
Blogs nach Autoren
Blogs nach Autoren
Artikel nach Autoren
Wer was geschrieben hat
  Twitter
Wir sind auch auf Twitter, ebenso unsere Gedankensplitter
 
   
  © 2002-2017 Textatelier